9. November | 2012

Das „art-Ensemble Theater“-Bochum zeigte die Theateraufführung „Im Land der Gottlosen – Tagebuch und Briefe aus der Haft 1944/45“ von Helmuth James von Moltke.

 

Helmuth James von Moltke war führender Kopf des „Kreisauer Kreises“, einer Widerstandsbewegung im Nationalsozialismus, die sich vor allem der Entwicklung von Zukunftsperspektiven für ein Deutschland nach dem Ende des Faschismus widmete. Geboren und aufgewachsen auf dem schlesischen Gut Kreisau, genoss Moltke durch seine aus Südafrika stammende Mutter eine vorwiegend britische, liberale Erziehung.

 

Schon früh engagierte sich der angehende Jurist sozial, knüpfte selbstbewusst Kontakte zu Politikern und Intellektuellen und übte offen Kritik an Hitlers Aufstieg. Die Pogromnacht am 9. November 1938 erlebt Moltke unmittelbar mit. Am 20. November schreibt er an den befreundeten britischen Schriftsteller Lionel Curtis: „Wenn dieser Kontinent eine Zeitlang unter die Herrschaft der Nazis gerät, wird die Zivilisation, die in Jahrhunderten aufgebaut worden ist, verschwinden, und wir wissen nicht, was an ihre Stelle tritt.“

 

Nachdem er Augenzeuge der brutalen Zusammentreibung und Misshandlung von Juden geworden war, die ein Schutzmann einer Dame gegenüber zu rechtfertigen suchte: „So ist es uns befohlen“, schreibt Moltke am 21. Oktober 1941 an seine Frau Freya: „Wie kann jemand so etwas wissen und dennoch frei herumlaufen? Ist es nicht unvermeidlich, dass er dann eines Tages auch dran kommt und dass man ihn auch in die Gosse rollt?“

 

Moltke entschloss sich, nicht ins Exil zu gehen, sondern zunächst seinen Einsatz als Völkerrechtler im Oberkommando der Wehrmacht zu subversiven Tätigkeiten zu nutzen. Diese führten Anfang 1944 zu seiner Verhaftung. In Folge des gescheiterten Attentatsversuchs von Claus von Stauffenberg vom 20. Juli 1944 wurde auch die Arbeit des „Kreisauer Kreises“ entdeckt. Am 23. Januar 1945 wurde Helmuth James von Moltke in Berlin-Plötzensee hingerichtet.

 

Der Theaterabend basierte auf Originaldokumenten. Die konkrete Spielsituation ist Moltkes Haft in den Gefängniszellen von Berlin und Ravensbrück. Seine Frau Freya von Moltke ist fern und doch immer anwesend. Der Abend ist Dokument eines unbeugsamen, zunehmend christlich fundierten geistigen Widerstandes gegen die Unmenschlichkeit.

 

Szenisch eingerichtet und gespielt von Susanne Hocke und Jürgen Larys.

Wissenschaftliche Beratung: Prof. Dr. Günter Brakelmann.

 

Pressebericht Offenburger Tageblatt