9. November | 2013

Mit Film „Fritz lebt - Geheimtäter und Viehlosoph“ an die Pogromnacht erinnert

 

Die Regisseurin Elke Baur verknüpfte historisches Archivmaterial mit dokumentarischen Bildern und szenischen Elementen zu einer Hommage an Levy. Die Interviews mit Levis Zeitgenossen werden durch einen Off-Erzähler verbunden. Das Ergebnis ist auch ein Porträt der Gesellschaft.

 

Fritz Levy (1901-82), Sohn eines jüdischen Viehhändlers, emigriert 1939 nach Shanghai und kehrt Anfang der 50er Jahre nach Jever zurück. Doch seine „Heimat“ findet er nicht wieder. Jahrelang prozessiert er um seinen Besitz. Levy nimmt kein Blatt vor den Mund, setzt sich in den 70er Jahren für die Jugend ein und wird Anfang der 80er Jahre in den Stadtrat gewählt. Journalisten aus aller Welt reisen an, da es sich um den „letzten Juden in Jever“ handelt, der sich in den Stadtrat wählen ließ. Kurz darauf stirbt Levy.

 

Freunde und andere Jeveraner Bürger setzen in dem Film das Bild von Fritz Levy wie ein Puzzle aus ihrer Erinnerung zusammen.

 

Nach der Filmvorführung diskutierte Stadtarchivar Dr. Wolfgang Gall mit der Regisseurin Elke Baur und Pastor Enno Ehlers, der den 1982 verstorbenen Fritz Levy persönlich gekannt hat.

 

Mit der Enthüllung eines Gedenksteins an der Außenwand des Salmen erinnerte die Stadt Offenburg 1978, also vor 35 Jahren, erstmals öffentlich an die Ereignisse vom 9. und 10. November 1938. Wie in ganz Deutschland zerstörten die Nationalsozialisten neben mehreren jüdischen Geschäften das Mobiliar der Synagoge der jüdischen Gemeinde, die sich seit 1875 im Salmensaal befand.

 

Die SS verhaftete alle männlichen Juden über 16 Jahre und verschleppte sie ins nahe liegende Gefängnis. Danach marschierte ein Zug von etwa 200 Offenburger Bürgern zur Synagoge, drang in das Gebetshaus ein und verbrannte das Inventar vor dem Rathaus. Am Abend erfolgte der Abtransport der Offenburger Juden zum Bahnhof, begleitet von misshandelnden SS- und SA-Leuten. Dort wurden sie mit dem Zug ins KZ Dachau deportiert.