Paul von Hindenburg - Gegner der Republik

- 21.01.2020 - 

In Offenburg ist 1927 die Hindenburgstraße nach Paul von Hindenburg benannt worden. Er war damals der zweite Präsident der Weimarer Republik nach Friedrich Ebert. Und vor allem galt er vielen als nationaler Held, zehrte er doch immer noch von dem Nimbus, am deutschen Sieg über die russische Armee Ende August 1914 bei Tannenberg südlich von Olsztyn/Allenstein als Generalfeldmarschall entscheidenden Anteil gehabt zu haben.
Heute weiß man, dass dieser Sieg eigentlich dem Generalstabschef Erich Ludendorff zu verdanken war. Aber Hindenburg war ein Meister der medialen Selbstinszenierung.
 

Quelle: Museum im Ritterhaus

 

Die Dolchstoßlegende

Die Weimarer Republik lehnte er von Anfang an ab. Obwohl er als Chef der Obersten Heeresleitung ab 1916 einer der Hauptverantwortlichen für den Zusammenbruch der deutschen Armeen im Herbst 1918 war, setzte er nach Unterzeichnung des Versailler Vertrags die Dolchstoßlegende in die Welt. Die verantwortlichen Regierungspolitiker hätten die unbesiegte Armee verraten und sozusagen hinterrücks erdolcht. Diese Legende wurde im Verlauf der 1920er-Jahre zu einer der wichtigsten Propagandaparolen der antidemokratischen und antisemitischen Kräfte in Deutschland.
 

Keine Kontrolle über die Nazis

Als Reichspräsident nutzte Hindenburg die Folgen der Weltwirtschaftskrise 1929 eiskalt aus, um das Parlament auszuschalten und über Präsidialkabinette zu regieren. Obwohl er noch 1932 die Präsidentschaftswahl gegen Adolf Hitler gewann, kam es anschließend zu einer politischen Annäherung. Hindenburg stand hinter der Idee einer autoritär geführten Volksgemeinschaft, glaubte jedoch in völliger Fehleinschätzung der eigenen Macht, er könne die Nazis kontrollieren. Am 30 Januar 1933 schließlich lieferte der Mann, dessen Aufgabe es war, die Republik zu verteidigen, diese Republik an ihre schlimmsten Feinde aus. Mit der Unterzeichnung des Ermächtigungsgesetzes hatte der Terrorstaat endgültig freie Bahn. In seinem politischen Testament vom 11. Mai 1934 schrieb er unmissverständlich:
 
"Mein Kanzler Adolf Hitler und seine Bewegung haben zu dem großen Ziele, das deutsche Volk über alle Standes- und Klassenunterschiede zur inneren Einheit zusammenzufassen, einen entscheidenden Schritt von historischer Tragweite getan."
 
 
Datei zum Downloaden

Quelle: Museum im Ritterhaus