Erstes Offenburger Einzelhandelsforum im Salmen: gemeinsam an einem Strang ziehen

- 09.03.2020 - 

Eigene Themen finden und diese gemeinsam vermarkten: Diese Kernbotschaft hat Matthias Prüller beim ersten Offenburger Einzelhandelsforum den über 50 Besucher/innen am Dienstag im Salmen auf den Weg gegeben. Der Leiter des Aalener Instituts für Marketing und Kommunalentwicklung (imakomm) machte als „größtes Problem“ aus: „Die Leute wissen gar nicht, was es in Ihrer Stadt gibt.“

 

Intensiver Austausch. Das Einzelhandelsforum kam gut an.

Quelle: Gertrude Siefke

 

Auf Einladung von OB Marco Steffens hat die Stabsstelle Stadtentwicklung das zweieinhalbstündige Treffen organisiert, zu dem sich Vertreter des Einzelhandels, der City Partner und des Gemeinderats einfanden. „Wir wollen Impulse schaffen“, erklärte der Oberbürgermeister in seiner Begrüßung. Handel und Stadt müssten gemeinsam Ideen entwickeln: „Hand in Hand sind wir noch besser.“ Zwar besitze die Innenstadt heute bereits eine hohe Aufenthaltsqualität, doch sei eine belebte Innenstadt kein Selbstläufer, zumal sich das Kaufverhalten ändere. Auf diesen Aspekt ging Prüller ausführlich ein. Um „Von wegen keine Chance – über Service punkten und diesen digital kommunizieren“ ging es in seinem Referat. Der studierte Diplom-Geograf stellte gleich zu Beginn fest: „Es geht nicht darum, Konkurrenz zum Online-Handel aufzubauen.“ Vielmehr müsse die Strategie darin bestehen, sich auf das Besondere zu berufen. „Warum soll der Kunde in die Innenstadt? Warum soll er gerade in mein Geschäft?“ Diese beiden Fragen müssten sich die Händler stellen und ihren Auftritt entsprechend ausrichten. In der digitalen Welt sei technisch fast alles machbar – welche Lösungen gibt es für den stationären Handel? Da die Kunden wegen des Angebots im Internet auf das Einkaufen vor Ort nicht mehr angewiesen seien, müssten besondere Anreize geschaffen werden. „Shoptainment“ sei das Zauberwort: Emotionen wecken, Impulskäufe stimulieren, ein Rundum-Sorglos-Paket anbieten. Der Kunde kauft „nicht weil er muss, sondern weil er will“. Ein Lob zollte der Prokurist dem Offenburger Handel bei der Schaufenstergestaltung: Sie befinde sich auf einem „guten Niveau“. Auch hier gelte es, das Besondere herauszustellen, auf die Einzigartigkeit einzugehen. Und wie steht es mit der online-Affinität? Wichtig sei, verschiedene Kanäle zu bespielen; wesentlich, über Goo-gle oder eine andere Suchmaschine entdeckt zu werden: „Das ist das A und O.“ Übers Internet müssten die Öffnungszeiten zu finden sein und die wesentlichen Produkte. Als ein positives Beispiel nannte der Experte die Entwicklung von Schwäbisch Gmünd von der „grauen Maus“ hin zur attraktiven Einkaufsstadt. Die Austragung der Landesgartenschau 2014 habe für eine Wende gesorgt. So gebe es mittlerweile T-Shirts und Liegestühle mit wiedererkennbarem Logo; es werde mit einer gemeinsamen Vermarkungsstrategie und identitätstiftendem Image gepunktet.

Beim Podiusmgespräch mit OB Marco Steffens, Marketingchef Stefan Schürlein sowie den Einzelhändler/innen Carina Leitermann und Heinrich Kuhn ging es ums Parken, die City als Treffpunkt und eine Innenstadt-App, die Prüller eher skeptisch sah. Entscheidend sei, dass die Geschäfte mit ihrem besonderen Angebot gefunden werden – ob dafür eine App benötigt werde, ließ der Experte dahingestellt. Ehe an vier Thementischen (Marke Innenstadt, Digitalisierung, Veranstaltungen, City Partner) weiter diskutiert wurde, appellierte OB Steffens: „Werden Sie konkret mit Ihren Vorschlägen.“ Bis Herbst 2020 soll es in Arbeitsgruppen weitergehen, ehe die Ergebnisse vorgestellt