Pflegeleicht

- 21.03.2020 - 

Bestattungsmöglichkeiten, Grabarten und Corona-Krise

Immer mehr Menschen entscheiden sich für pflegeleichte Grabstätten. Auch in Offenburg zeichnet sich dieser Trend ab. Das OFFENBLATT im Gespräch mit Hans-Jürgen Jäger, Abteilungsleiter Friedhöfe bei den Technischen Betrieben, über die verschiedenen Bestattungsmöglichkeiten, Grabarten auf den Offenburger Friedhöfen und die Auswirkungen der Corona-Krise auf Bestattungen.
 

Hans-Jürgen Jäger geht auf die Wünsche und Anliegen der Angehörigen ein.
Herr Jäger, welche Bestattungsformen wurden 2019 bevorzugt gewählt?

Hans-Jürgen Jäger: Der Trend zur Feuerbestattung nimmt stetig zu. Das zeigen auch die jährlichen Zuwachsraten von bis zu sieben Prozent. Im letzten Jahr hatten wir 406 Feuerbestattungen und 204 Erdbestattungen.

 

Welche Bestattungsformen empfehlen Sie Angehörigen, die wenig Zeit für Grabpflege haben?

Jäger: Empfehlungen aussprechen ist in diesem sensiblen Bereich sehr kritisch. In erster Linie gehen wir auf die Wünsche und Anliegen der Angehörigen ein. Unsere Aufgabe ist es, umfassend zu beraten und zu informieren, sodass die Angehörigen eine für sich passende Entscheidung hinsichtlich der Grabauswahl treffen können. Die Entscheidung ist elementar, da die Grabstätten 20 Jahre und länger als Trauerort dienen. Hinzu kommen eventuell schriftlich hinterlegte Wünsche des Verstorbenen oder aber auch das
persönliche Empfinden der Hinterbliebenen. In der Regel zeigen wir den Angehörigen die Möglichkeiten vor Ort. Das sind Rasen- und Baumgräber oder Gräber in den gärtnergepflegten Grabstätten. Natürlich können auch die klassischen Gräber für sich pflegefrei gewählt werden, indem man die Pflege über einen Gärtner regelt.

 

Sind pflegeleichte Grabstätten grundsätzlich teurer?

Jäger: Auch das kann man nicht pauschal beantworten. Da kommt es auf die Gestaltung an. Rasengräber sind natürlich günstiger, als Gräber, die mit Wechselflor angelegt sind oder Gräber in einer Staudenanlage. Da die Pflegekosten bei der Bestattung in einer Summe zu entrichten sind, kann sich auch das auf die Grabauswahl auswirken.

 

Bieten alle 13 Friedhöfe alle Bestattungsarten an?

Jäger: Neben den klassischen Grab-
arten wie Erdbestattungs- und Urnengrab zur individuellen Gestaltung, können derzeit, mit Ausnahme auf dem Friedhof Zell-Weierbach, auf den Offenburger Friedhöfen die Baumbestattungen gewählt werden. Geplant ist auch, neben den eher schlicht gehaltenen Baumbestattungen im Wurzelbereich im Rasen des Baumes pflegeleichte Staudenfelder anzubieten. Diese Gestaltung ist höherwertiger und ansprechender.

 

Was ändert sich aufgrund der Corona-Krise bei den Bestattungsmodalitäten?

Jäger: Zum Schutz der Angehörigen, der Bürgerinnen und Bürger sowie unserer Mitarbeitenden mussten wir aufgrund der aktuellen Situation einige Änderungen durchführen. So wurden zunächst Trauerfeiern auf 50 Personen begrenzt, das hat sich inzwischen noch einmal geändert. Mittlerweile – Stand 19. März –  dürfen maximal zwei Personen die Trauerfeier begleiten, Bestattungen müssen ansonsten ohne Hinterbliebene und Trauergäste erfolgen. Weihwasser gibt es keines mehr am Grab, Erde nur noch ohne Schaufel am Grab. Auch das Abschiednehmen am offenen Sarg ist derzeit nicht gestattet.