Wenn der Magister zweimal klingelt

- 02.04.2020 - 

Leben in Offenburgs österreichischer Partnerstadt Weiz stark eingeschränkt

Das Thema Corona ist derzeit allgegenwärtig. Wie Offenburgs österreichische Partnerstadt Weiz mit der Krisensituation und den damit verbundenen Auflagen und Einschränkungen umgeht, erkundigte sich die Redaktion bei der Stadtgemeinde.

Verwaist. Alle Schulen sind geschlossen, wie hier das Gebäude in der
Europa-Allee.
Bereits am Mittwoch, 11. März, untersagte die Stadtgemeinde aufgrund der Verordnungen von Seiten der österreichischen Bundesregierung Indoor-Veranstaltungen mit mehr als 100 Personen, draußen waren noch 500 Personen zulässig. Doch inzwischen ist auch dies nicht mehr erlaubt. Wie auch in Offenburg, gilt für die 12 700 Einwohner der Bezirkshauptstadt in der Oststeiermark ein Betretungsverbot für öffentliche Orte. Seit Montag, 16. März, findet kein „Parteienverkehr“ mehr statt, gibt es also keine Amtsstunden mehr. Der Tourismus liegt brach, Museen und alle anderen städtischen Einrichtungen sind geschlossen. Das Stadtservice, die zentrale Bürgeranlaufstelle, und das Rathaus sind nur nach telefonischer Anmeldung vormittags für dringende Angelegenheiten zugänglich.

In der erst im vergangenen Herbst eröffneten Shoppingmeile sind ebenfalls alle Geschäfte zu. Ob das neue JUFA-Hotel wie geplant im Juni eröffnen kann, bleibt abzuwarten. Auch die Großbaustellen mussten eingestellt werden: Beim Projekt „Stadtparkquartier“ mit Handelsflächen und Cineplexx-Kino sowie an der Ortsdurchfahrt stehen derzeit alle Maschinen still.

Viele Bedienstete im öffentlichen Dienst arbeiten derzeit im Wechsel, was – je nach Arbeitsplatz – zwei Wochen im Büro und zwei Wochen im Homeoffice bedeutet. Man will, wie in Deutschland, einer zu raschen Ausbreitung des Virus entgegenwirken. Auch wenn die Regale in den Supermärkten wieder gefüllt sind und Hamsterkäufe eher ausblieben, gab es bei den Restaurants teilweise Lieferengpässe. Letzteres lässt sich allerdings verschmerzen, muss man sich ohnehin an die Auflagen halten: Speisen dürfen nur abgeholt oder ausgeliefert werden, raus soll man nur im Notfall. Wer auf dem Weg zur Arbeit ist, führt eine Bestätigung des Arbeitgebers mit sich, dass er in einem systemrelevanten Bereich tätig ist.

Innerhalb der Verwaltung versucht man, so gut es geht, die Strukturen am Laufen zu halten.  Die Bevölkerung wird über die Homepage der Stadt und über soziale Medien mit aktuellen Informationen versorgt. Um die Seniorinnen und Senioren und besonders gefährdete Personen

Zustelldienst bei Bedarf. Auch Sportkoordinator Gernot Schoberer hilft.

zu schützen, bietet die Stadtgemeinde in Zusammenarbeit mit der Pfarre und Freiwilligen einen Zustelldienst für Medikamente, Hygieneartikel und Lebensmittel an. Wer Medikamente benötigt, kann diese telefonisch beim Arzt bestellen, dieser schickt das Rezept an die Apotheke und über eine Hotline wendet man sich an die Stadtgemeinde, wo die Lieferungen koordiniert werden. Zustellungen sind montags bis freitags möglich, notfalls wird auch am Wochenende ausgeliefert. Auch Mitarbeiter der Stadtverwaltung bringen sich hier ein.

So brachte der Sportkoordinator der Stadt, Magister Gernot Schoberer, Medikamente bei Engelbert Maier vorbei. Maier, Motor der Städtepartnerschaft und seit Anfang des Jahres Träger der Offenburger Bürgermedaille, war hierüber höchst erfreut und kann der momentan schwierigen Situation auch etwas Positives abgewinnen: „Ich habe den Hometrainer wieder hervorgeholt und fahre täglich 20 Minuten für den Kreislauf. Man kommt so wieder auf alte Sachen“, lacht er am Telefon. Es gehe ihm gut, er und seine Frau bleiben zuhause und werden von den Kindern mit allem Nötigen versorgt. Was er sich wünscht? „Dass alle Offenburgerinnen und Offenburger, besonders meine Freundinnen und Freunde, die Krise gut überstehen!“