„Leider nicht nur eine Biermarke“

- 30.04.2020 - 

Wie gehen Teilnehmerinnen des Seniorenbüros mit den Ausgehbeschränkungen um?

Wie viele andere städtische Einrichtungen, bleibt auch das Seniorenbüro in der Zeit der Corona-Krise geschlossen. Und da ältere Menschen zu den gefährdeten Personen gehören, sind sie in besonderer Weise von den Ausgehbeschränkungen betroffen. Wie Seniorinnen damit umgehen können, berichten drei Mitglieder der Englischgruppe für Fortgeschrittene des Seniorenbüros der Redaktion. 

Helga Lienert vermisst die wöchentliche Englischstunde.

Helga Lienert aus Zell-Weierbach, Monika Röschmann aus Offenburg und Edeltraud Weickmann aus Durbach tauschen sich auch während der Pause aus, der Kontakt innerhalb der Gruppe bleibt bestehen, berichten die Seniorinnen. „Mir fehlt meine wöchentliche Englischstunde sehr“, sagt Helga Lienert, aber improvisieren und das Beste daraus machen ist ihre Devise. Per Whats-App sei das ja kein Problem, man tausche sich auf Deutsch oder auf Englisch aus. „Das kann aber die menschliche Nähe nicht ersetzen“, fügt die Seniorin hinzu. Sehr schade findet sie es, dass sie der ehrenamtlichen Tätigkeit als Kindergartenpatin nun nicht mehr nachgehen kann. Auch das alljährliche Muttertagswochenende am Lago Maggiore mit den Töchtern musste gestrichen werden.

Innerhalb der Familie bleibe dann auch der Besuch der Enkel beziehungsweise der Urenkel aus: „Ich bin froh, dass wir meinen Schwiegervater (102) im Hause betreuen können, und da wir einen großen Garten haben, nutzen wir das bei diesem Wetter voll aus. Man kriege es schon hin, sagt Helga Lienert, aber „insgeheim wünsche ich mir, Corona wäre für mich für immer nur die mexikanische Biermarke geblieben.“

 

Monika Röschmann ist froh, keine finanziellen Probleme zu haben.

Monika Röschmann kümmert sich ebenfalls um ihre betagte Mutter (91). Zur Corona-Pandemie habe sie sehr unterschiedliche Empfindungen, wobei sie froh ist, nicht vor finanziellen Problemen zu stehen wie viele junge Menschen, deren Job gefährdet ist oder die mit Homeoffice und gleichzeitiger Kinderbetreuung überfordert sind. Für die an Alzheimer erkrankte Mutter habe sie zum Glück eine liebevolle Unterstützung, eine Betreuerin aus Polen, die nun wegen der Corona- Krise ihren Heimatbesuch zu Ostern verschieben musste.


Für sie selbst seien die Ausgehbeschränkungen nicht so schlimm. Der Kontakt zur Englischgruppe bleibt per Whats-App bestehen, und ab und an sendet die Kursleiterin kleine Aufgaben. Mehr Zeit habe sie jetzt zum Handarbeiten, und außerdem habe sie ihre Gitarre ausgepackt, um längst vergessene Griffe zu üben. „Wenn es sein muss, halte ich es noch etwas aus, zumal wenn das Wetter so schön bleibt“, erklärt Monika Röschmann.

 

Edeltraud Weickmann bedauert, keinen Kontakt zu den Enkeln zu haben.

Edeltraud Weickmann aus Durbach vermisst ebenfalls den wöchentlichen Kontakt mit Gleichgesinnten der Englischgruppe: „Das ist zum großen Bedauern im
Augenblick unmöglich, aber wir sind regelmäßig verbunden, auch für kleine Übungen ´in English´.“ Sehr schade findet Edeltraud Weickmann, dass der Kontakt
zu den Enkeln eingeschränkt ist, die normalerweise die Osterferien bei ihr verbringen. Keine Familientreffen, keine sportlichen Aktivitäten wie Pilates und Tennis und auch keine gemeinsamen Wanderungen in der Gruppe, all das fehle ihr schon sehr. „Nun hoffe ich, dass wir Corona gut überstehen“, sagt Edeltraud Weickmann, „und ich freue mich schon auf die erste Englischstunde im Seniorenbüro nach der Pandemie.“