Trotz Distanz Nähe vermitteln

- 30.04.2020 - 

Offenes Fenster: Das SFZ am Mühlbach hat sich für Besucher etwas einfallen lassen

Das Thema Corona ist derzeit allgegenwärtig. Wie Offenburgs Stadtteil- und Familienzentrum (SFZ) am Mühlbach die Krise zu meistern versucht und trotz vorgeschriebener Distanz Nähe zeigt, erkundigte sich die Redaktion.

Bereits seit Wochen sind die Türen des Stadtteil- und Familienzentrums am Mühlbach verschlossen. Wo sich sonst Kinder tummeln, zusammen spielen, herrscht gähnende Leere. In den Fluren der 2006 erbauten Einrichtung ist niemand zu sehen, man hört kein Lachen, kein Geschrei. Einzig die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind da und überlegen sich, wie sie trotz des derzeit geltenden Kontaktverbots da sein können und die Menschen im Stadtteil nicht alleine lassen.

Die sogenannte „Offene Tür“ ist wichtiger Bestandteil der täglichen Arbeit und aus der Nordweststadt nicht mehr wegzudenken. Wer sich jetzt in dieser schwierigen Situation mal wieder mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des SFZ austauschen möchte, kann montags bis freitags von 9 bis 16 Uhr an das offene Fenster klopfen und es wird geöffnet. Eigens hierfür wurden aus Karton Fensterläden gebastelt, die zeigen sollen: Hier ist jemand da und hört dir zu. „Das Wichtigste ist, dass wir die Menschen in der momentan schwierigen Situation nicht alleine lassen, dass wir da sind“, sieht Simone Heisch, Bereichsleitung Kinder- und Jugendarbeit, ihre Aufgabe und die ihrer Kolleginnen und Kollegen.

Auch das Ausleihen von Spielsachen ist so wieder möglich. Normalerweise haben die Kinder die Möglichkeit, an einem Angebot der „Offenen Tür“ teilzunehmen oder sich am Pfandverleih Spiele auszuleihen. Jetzt warten Taschen zu den Themen „Kreativ“, „Entdecken“, „Bewegung“, „Zirkus“ und „Entspannung“ auf Abnehmer. Gefüllt sind die Taschen mit Aufgaben, Spielsachen und Bastelanleitungen. „Hier haben wir darauf geachtet, dass wir nur mit Materialien basteln, die die Kinder auch zuhause haben“, gibt Stefanie Kiefer, die in der offenen Kinder- und Jugendarbeit tätig ist, als Hinweis. Vier Tage lang können die Taschen ausgeliehen werden und dann bei Bedarf gegen eine andere Thementasche getauscht werden.

Die Sonderzeitung der offenen Tür ist ein weiteres Projekt, das aus der Not geboren wurde, denn man will auch die Kinder zuhause begleiten. Rätselspaß, Spielideen und Witze sollen Ablenkung bringen, Mandalas und Limonadenrezept sind ebenfalls Bestandteil und die Geschichte vom „gestohlenen Frühstück“ hat noch eine Überraschung parat. Wer möchte, kann eine separate Seite ausfüllen, die dann später im SFZ zu einem großen Corona-Tagebuch zusammengesetzt wird, das zeigen soll, was die Kinder erlebt haben und was ihnen am meisten Freude bereitet hat. Damit sich die Kinder auch wieder auf die Zeit nach der Krise freuen, wird das Projekt „Hochbeet“ schon angekündigt und man darf bereits jetzt seine Wünsche für die Bepflanzung äußern.

Auch der Bereich der Ganztagsbetreuung hat eine besondere Aktion gestartertet, inde

Briefwand. Kinder aus dem Ganztagesbereich schreiben an ihr SFZ.

m alle Kinder angeschrieben wurden und mit einem frankierten Rückumschlag Bilder und Briefe an das SFZ schicken konnten. Alle Einsendungen wurden aufgehängt, entstanden ist eine Wand aus Kunstwerken, die den derzeit tristen Eingangsbereich etwas erhellt.

„Auch wenn ungewiss ist, wann wieder Normalität einkehrt, müssen wir das Beste aus der Situation machen, positiv bleiben und dies auch weitergeben“, bündelt Heisch alle Aktionen der Einrichtung, die aus dem Offenburger Stadtteil Nordwest nicht mehr wegzudenken ist.

Allen Aktionen steht ein Gedanke voran: entstandene Beziehungen aufrechtzuerhalten, in Kontakt zu bleiben und erreichbar zu sein. Und es ist genauso wichtig, trotz allem einen geregelten Tagesablauf zu haben, so gut es geht, im Rhythmus zu bleiben.

 

Offenes Fenster. Simone Heisch (links) und Stefanie Kiefer machen vor, wie es funktioniert.