Erfahrungsbericht über Einsatz bei der Tafel

- 07.05.2020 - 

Erfahrungsbericht: PÖA-Praktikantin Katherina Siebert hilft zurzeit zwei Mal die Woche bei der Offen

Im Rahmen ihres Studiums an der Hochschule für öffentliche Verwaltung Kehl absolviert die Studentin Katherina Siebert einen Teil ihrer Praxisphase bei der Stadt Offenburg. Das Praktikum leistet sie bei der Stabsstelle Presse- und Öffentlichkeitsarbeit (PÖA). Aktuell hilft die Verwaltungsstudentin mit Auszubildenden, Studenten und Mitarbeitern der Stadt Offenburg und des Landratsamtes Ortenaukreis bei der Offenburger Tafel aus. Ein Erfahrungsbericht über ihre Arbeit.

In Aktion. PÖA-Praktikantin Katherina Siebert.

„Die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Offenburger Tafel werden durch ein Schichtsystem von den Mitarbeitern der Stadt und des Landratsamtes unterstützt. Zweimal in der Woche erfolgt mein Einsatz bei der Tafel am Mühlbach. Jede Schicht beginnt gleich. Zuerst werden die Hände gewaschen und desinfiziert. Die blaue Schürze, Mundschutz und Handschuhe werden angezogen. Anschließend werden wir Helfer in Gruppen eingeteilt. Manche unterstützen bei den Backwaren oder sortieren die Nahrungsmittel nach Produktarten. Andere richten Kühlprodukte in Tüten vor, sodass diese bei Öffnung der Tafel reibungslos und schnell an die Kunden rausgegeben werden können.

Denn die Ausgabe der Lebensmittel an die Bedürftigen erfolgt nicht wie üblich: Es gibt ausschließlich vorgerichtete Pakete mit unterschiedlichen Produkten wie Backwaren sowie Milch- und Trockenprodukte. Die Kunden können lediglich bei Obst und Gemüse selbst entscheiden, was und wie viel sie wovon möchten. Das Angebot variiert von Tag zu Tag. Unter den Lebensmitteln finden sich viele leckere Sachen wie Erdbeeren, Spargel, Mango, Süßkartoffeln, Feldsalat und Orangen. Parallel zum Vorrichten der Taschen werden Spuckschutz, Tische und Paletten aufgebaut, sodass die Tafel pünktlich um 10 Uhr öffnen kann. Der Einlass wird von Security begrenzt, um die Einhaltung des Abstandes zu gewähren. Einkaufen darf nur, wer Mund-Nasen-Schutz trägt. Verkauft wird bis 16 Uhr.

Der erste Kauf kann im Laden mit Backwaren getätigt werden. Danach geht‘s im Innenhof weiter. Zuerst gibt es eine vorgerichtete Tüte mit Produkten wie beispielsweise Reis, Öl, Mehl oder auch Zucker. Eine Tasche mit süßen Sachen wie Keksen, Maischips oder zur Osterzeit Schokoladenhasen wird ebenfalls angeboten. Danach geht’s weiter zum Obst und Gemüse. Eine Einkaufstasche mit Kühlprodukten wie Wurst, Käse, Joghurts oder Maultaschen folgt. Am Ende des Einkaufs bezahlt jeder den selben Betrag, da jeder das Gleiche erhält. Für einen kleinen Aufpreis können die Bedürftigen „besondere“ Waren wie Soft-Getränke kaufen.

Bei der Ausgabe von Obst und Gemüse werden die Lebensmittel für jeden Kunden abgezählt, um gerechtes Einkaufen zu ermöglichen. Bei hohem Kundenaufkommen kann es deshalb zeitweise sehr stressig werden. Parallel zum Verkauf im Innenhof wird im Küchenraum die neu gelieferte Ware sortiert. Schlechtes und faules Obst und Gemüse wird weggeschmissen. So können die einwandfreien Lebensmittel zu stark reduzierten Preisen verkauft werden. Falls beim Verkauf etwas ausgeht oder neue Ware geliefert wird, werden die teils schweren Kisten mit neu geliefertem Obst und Gemüse aus dem Küchenraum herausgereicht.

Im Laufe des Tages kommen immer wieder Lieferungen mit Ware von großen Supermärkten. Dabei handelt es sich oft um Produkte, deren Mindesthaltbarkeitsdatum bald abläuft und die sonst aussortiert würden. Zudem werden Waren aus dem Lager der Tafel Offenburg auch an die Tafeln in Kehl und Lahr umverteilt.

Schwer mit anzusehen war, wenn Bedürftige weniger mitnehmen durften als sie wollten. Beispielsweise, wenn sie sich zwischen Paprika oder Gurken entscheiden mussten. Das hat mir gezeigt, dass ich mich glücklich schätzen kann, wie gut es mir geht, unter anderem beim Einkaufen im Supermarkt freie Wahl zu haben.

Nach recht dürftigem Anlauf am ersten Tag der Wiederöffnung ist seither immer mehr los. Wenn meine Schicht um 12.30 Uhr endet und ich am Mühlbach entlanggehe, bildet sich in jüngster Zeit eine lange Schlange vor dem Eingang.

Übrigens: Seit dieser Woche hat die Tafel dreimal in der Woche geöffnet – Montag, Mittwoch und Freitag.“

 

Die Tafel. Schon von weitem am "Strumbel" erkennbar.