Anspielung auf Offenburgs Rolle

- 04.06.2020 - 

KUNST IM ÖFFENTLICHEN RAUM (II): „Die Freiheit“

Wer mit offenen Augen durch die Stadt geht, wird an vielen Stellen belohnt: mit Kunstgenuss unter freiem Himmel, ohne Eintritt, ohne Öffnungszeiten.

New York, Los Angeles, Seoul, San Francisco, Peking, Basel, Berlin, Straßburg, Offenburg … die Aufzählung ist nur selektiv. Aber alle Orte habe eine Gemeinsamkeit: Hier steht ein imposantes Kunstwerk des amerikanischen Künstlers Jonathan Borofsky.

 

Das Werk „Freiheit – Männlich/Weiblich“ auf dem Platz der Verfassungsfreunde erinnert an die Rolle der Stadt innerhalb der deutschen Demokratiebewegung. Die weithin sichtbare, hohe Aluminiumskulptur wurde Ende 2000 auf dem Platz aufgestellt. Gestiftet hat sie Offenburgs Ehrenbürgerin, die Verlegerin Aenne Burda.

Die Plastik zeigt die Umrisse einer weiblichen und einer männlichen Gestalt, die – aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet –zu einer Silhouette verschmelzen. Mit dieser Form spielt der Künstler auf den archaischen Mythos von der ursprünglichen Einheit der Geschlechter an, zugleich ist sie Sinnbild des männlichen und des weiblichen Prinzips in jedem Menschen. Die ausgreifenden Gesten signalisieren Aufbruch und Dynamik, Eigenständigkeit und Gleichwertigkeit.

Die Aluminiumröhren haben einen Durchmesser von 27,3 Zentimetern. Das Werk besteht aus 290 Einzelteilen, die zu 24 großen Röhren zusammengeschweißt wurden. Hergestellt wurden die Teile im kalifornischen Sun Valley in der Edelschmiede ´La Paloma´ von Ron McPerson. Das für die Offenburger Skulptur verwendete Aluminium ist besonders strapazierfähig und wird beispielsweise auch zum Bau von Flugzeugen eingesetzt. Für die Stabilität der 20 Meter hohen, 8221 Kilogramm schweren Plastik sorgen unter anderem verdickte Wände der Rohre im unteren Bereich. Der Offenburger Statiker Reinhard Frenzel hat für die Standfestigkeit gesorgt.

„Bei seinen Werken im öffentlichen Raum bezieht Jonathan Borofsky stets die Proportionen der Umgebung mit ein“, erklärt die städtische Kunstkustodin Gerlinde Brandenburger-Eisele. „So hat das monumentale Offenburger Kunstwerk genau die Höhe der umgebenden Gebäude. Und er nimmt Bezug auf die Situation der Stadt oder des konkreten Orts der Aufstellung. Mit dem Thema Freiheit spielt er hier auf diesem Areal auf die Rolle Offenburgs in der Geschichte der Badischen Revolution an. Der Künstler möchte die Menschen mit einer allgemein-verständlichen Sprache erreichen. Seine aufwändig inszenierten Bildideen sind von bestechender Einfachheit und eröffnen der Fantasie des Betrachters ein weites Feld: Uralte und zugleich immer wieder neue Träume, Wünsche und Visionen kommen darin auf eindringliche Weise zum Ausdruck.“