550 Kilometer langes Netz im Blick

- 04.06.2020 - 

Abwasserzweckverband kümmert sich um Entwässerung und Klärschlamm/Appell: keine Feuchttücher ins WC werfen

 

1971 gegründet, entsorgt der Abwasserzweckverband Raum Offenburg (AZV) das Abwasser von rund 85000 Menschen. Mit der Inanspruchnahme seitens der Industrie ergibt sich ein Wert von rund 130000 Einwohnern. Zum Verband gehören neben der Stadt Offenburg die Gemeinden Durbach, Hohberg, Ohlsbach und Ortenberg.

Seit 2010 wird auch Willstätts Abwasser in der Verbandskläranlage in Offenburg-Griesheim gereinigt. Der Verband bündelt das Know-how und das Fachpersonal rund um die Entwässerung, Abwasserbehandlung, Klärschlammverwertung und Gewässerbewirtschaftung unter einem Dach. Aktuell erfolgreich durchgeführt wurde ein wissenschaftlich von der Universität Stuttgart begleitetes Pilotprojekt zur Phosphorrückgewinnung aus dem Klärschlamm, gefördert vom Umweltministerium Baden-Württemberg.

 

Verbandsvorsitzender ist OB Marco Steffens, Geschäftsführer seit über 20 Jahren Diplom-Ingenieur Ralph-Edgar Mohn. Beschäftigt werden 35 Mitarbeiter/innen: Ingenieure, Techniker, Zeichner und Fachkräfte aus den Sparten Abwasser-, Elektro- und Maschinentechnik sowie Fachpersonal im kaufmännischen Geschäftsbereich und in der Verwaltung. Zurzeit wird ein Auszubildender als Fachkraft für Abwassertechnik auf das Berufsleben vorbereitet. Der im Herbst frei werdende Ausbildungsplatz ist bereits besetzt. „Wir freuen uns aber über weitere Bewerbungen. Seit diesem Jahr bieten wir auch einen Ausbildungsplatz für den Beruf der Elektrofachkraft an“, erklärt der AZV-Chef.

Heute im Blick: die Entwässerung. Zur Infrastruktur gehören die Planung der Entwässerungsanlagen wie Schmutz-, Regen- und Mischwasserkanäle sowie der Bau, die Sanierung und Modernisierung dieser Einrichtungen. Der AZV betreibt und unterhält das 550 Kilometer lange öffentliche Kanalnetz für seine Verbandsmitglieder. Dazu zählt die Reinigung der Kanäle, der Pumpwerke und der Regenwasserbehandlungsanlagen. Ebenso die Betreuung der technischen Anlagen und Bauwerke. Auch private Bauherren sind beim AZV an der richtigen Adresse, wenn es um Fragen rund um die Grundstücksentwässerung geht. Ziel der heutigen Entwässerungsplanung ist es, das Regenwasser möglichst am Ort des Entstehens zurückzuhalten und, wenn möglich, zu versickern.

Auch die Abwasserentsorgung gehört zur systemrelevanten Infrastruktur, das Funktionieren muss unter allen Umständen gewährleistet bleiben. „Seit Anfang März werden wir mit immer neuen Herausforderungen konfrontiert“, erläutert Ralph-Edgar Mohn. „Nachdem die Stufe 3 unseres Notfallplans bereits Mitte März eintrat – die Corona-Pandemie war im Verbandsgebiet angekommen – haben wir entschieden, einen Zweischicht-Notbetrieb einzuführen. Damit müssen im Falle einer Infektion unter den Mitarbeitern nicht alle in Quarantäne geschickt werden, sondern es ist gewährleistet, dass die zweite Schicht den Betrieb übernehmen kann.“ Auch die Investitionen in die Automatisierungs- und Prozessleittechnik haben sich laut Mohn gelohnt: „Gerade in Krisenzeiten erweisen sie sich als besonders wertvoll. So können die leitenden Mitarbeiter von zu Hause aus den Betrieb der Kläranlage und Außenstationen überwachen und steuern. Mitarbeiter vor Ort sind aber nach wie vor nicht ersetzbar!“ Die meisten der AZV-Baustellen laufen weiter wie geplant. Vieles findet im Freien statt – da können Abstandsvorgaben leichter umgesetzt werden.

Mohn: „Unser Hauptaugenmerk liegt aktuell auf der Aufrechterhaltung des gesicherten Betriebs sämtlicher Anlagen gemäß unserem Wartungsplan. Kritische Bereiche werden natürlich häufiger gewartet, weil man ja nicht weiß, wie es in der nächsten oder übernächsten Woche mit der Verfügbarkeit der entsprechenden Dienstleistung aussieht. Zum Glück sind bekanntlich die Infektionszahlen nicht so angestiegen, wie zunächst prognostiziert. Dadurch haben wir bislang keinen Personalengpass erlebt.“ Krisen rücken das Tagesgeschäft manchmal in ein neues Licht. Die AZV-Mitarbeiter wissen um die Systemrelevanz ihrer Aufgabe und engagieren sich in dieser Zeit laut Mohn besonders.

Allerdings stellen die AZV-Mitarbeiter fest, dass vermehrt Feuchttücher, Haushaltsrollenpapier und Papiertaschentücher über die Toiletten entsorgt werden. Mohn: „Dies führt zu ganz erheblichen Schwierigkeiten beim Abfluss im Kanal und auch an den Pumpwerken, da die reißfesten Vliese schnell unsere Pumpen lahmlegen können!“ Nur Toilettenpapier ist so konzipiert, dass es sich zügig im Wasser auflöst. Er appelliert daher an die Mitbürger/innen: „Sie helfen uns durch eine richtige Benutzung der Abwasseranlagen, dass unser Personal nicht durch vermeidbare Arbeiten beansprucht wird. So können unsere Fachkräfte für die wirklich wichtigen Aufgaben der Wartung und Abwasserreinigung eingesetzt werden.“ Feuchttücher, Hygiene-  und Kosmetikartikel gehören in den Restmüll.