Verbesserung durch Veränderung

- 05.07.2020 - 

Neugestaltung des Bahnhofsareals: Bürgermeister Oliver Martini plädiert für eine emotionsfreie Disku

Im Vorgriff auf die Sitzung des Verkehrsausschusses haben Bürgermeister Oliver Martini und Tiefbauchef Thilo Becker am Mittwoch den Tagesordnungspunkt „Bahnhofsentwicklung“ der Presse vorgestellt. Martini: „Wenn wir die Rahmenbedingungen aufrecht erhalten, wird sich nichts ändern.“

Seit 30 Jahren werde die Umgestaltung des Bahnhofs diskutiert, bislang habe es keine abschließende Lösung gegeben: „Da machen wir uns jetzt dran“, so der Baudezernent. Sein Appell: sich in aller Ruhe mit den Vorschlägen und Varianten auseinanderzusetzen und nicht sofort emotional zu reagieren. Bei der Vorlage handelt es sich um einen Zwischenbericht, der im Juni bereits den Fraktionen vorgestellt wurde. Jetzt gehe es darum, die einzelnen Bereiche „konkreter und integrativer zu betrachten“.

13 000 Menschen nutzen täglich die westliche Südunterführung; 12 000 Autos fahren täglich am Bahnhof vorbei, 75 Prozent davon ist Durchgangsverkehr. Insgesamt halten sich Tag für Tag 25 000 Menschen am Bahnhof auf. Der Zebrastreifen sei „Sinnbild des Konflikts“, so Martini: „Hier treffen sich die Verkehrsströme.“ Es sei an dieser Stelle zwar noch zu keinem Unfall gekommen, aber es müsse sich etwas ändern, um die Ballung zu entzerren.

Zum einen gehe es darum, die Lage des Zentralen Omnibusbahnhofs zu überdenken und das Angebot zu vergrößern. Belässt man den derzeitigen Standort im Süden, ließen sich – wenn die komplette Fläche bis zu den Gleisen in Anspruch genommen würde – 16 Haltepunkte einrichten. Für diese Variante sprechen die kurzen Wege zu den Zügen und in die Innenstadt. Bei einem Neubau im Norden entlang der Rheinstraße könnten 18 Bahnsteige untergebracht werden. Es gebe mehr Platz und mehr Frequenz vor dem Bahnhof; die Fläche des bisherigen ZOB könnte attraktiv gestaltet werden. Verkehrschef Becker: „Aus rein verkehrlicher Sicht schneidet der Süden besser ab, der Norden allerdings bietet mehr Potenziale zur städtebaulichen Gestaltung.“

Für viel Diskussionsstoff sorgt bereits heute die Frage, wohin mit dem Durchgangsverkehr? Soll er über die Philipp-Reis-Straße auf die Okenstraße geleitet oder ganz auf die Freiburger Straße verlagert werden? Fest steht, dass der Bahnhof auch für den motorisierten Individualverkehr erreichbar bleiben muss. Geplant ist daher ein Parkhaus im Norden. Zudem soll die Ostseite des Bahnhofs stärker frequentiert werden. Vorgesehen ist ein weiterer Bahnsteigzugang im Norden. Der Verkehr aus der „sensiblen Innenstadt“ wird verlagert: „Es geht um eine gleichmäßigere Verteilung“, so Martini. Viel gewonnen sei für Radfahrer und Fußgänger: „Diskutieren wir das doch mal“, forderte Martini auf. Entfällt der Durchgangsverkehr vor dem Bahnhof, gebe es weniger Lärm und Abgase, dafür mehr Sicherheit. Und: „Der Bahnhof rückt dichter an die Innenstadt“, ergänzte Becker.

Dritte Variable bildet die Nordspange, die vom Kreisel Rammersweierstraße über eine Brücke bis zur Englerstraße führte. Dadurch würde die Reisezeit zwischen der Ost- und Weststadt verkürzt und der Klinikcampus angebunden. Mit einer Bauzeit von zehn Jahren und Kosten von bis zu 40 Millionen Euro wird gerechnet.