Gemeinschaftsschule setzt auf integrativen Ansatz

- 17.07.2020 - 

Die Eichendorff-Schule mit ihren Standorten in Albersbösch und Uffhofen hat eine lange Tradition. Jetzt geht sie in ihr fünftes Jahr als „Gemeinschaftsschule“. Das OFFENBLATT sprach mit Schulleiter Mathias Wanjek über die Besonderheiten dieser Schulform.

Quelle: Christoph Lötsch

Was unterscheidet die Gemeinschaftsschule von anderen, „normalen“ Schulen?

Mathias Wanjek: Lassen Sie uns zunächst kurz die Gemeinsamkeiten aufzeigen. Wir sind eine staatliche allgemeinbildende Schule mit zehn Klassenstufen und bieten die entsprechenden Abschlüsse an. Und jetzt die Unterschiede: Im Gegensatz zu den anderen Schularten trennen wir die Kinder nicht nach der Grundschule. Wir haben das gesamte Spektrum in einer Klasse – also wie in der Grundschule das ganze Leistungsspektrum.

 

Das ist sicherlich eine pädagogische Herausforderung ...

Wanjek: Jeder Mensch hat Stärken und Schwächen. Jeder kann sich somit einbringen. Wir müssen dem organisatorisch, pädagogisch und didaktisch, z.B. mit Lehrmethoden, begegnen. Jedem Kind gerecht zu werden, das bedeutet einen sehr großen professionellen Aufwand. Aber es lohnt sich. Unser Leitsatz ist: Die Schule ist für die Schülerinnen und Schüler da, und nicht umgekehrt.

 

Also weniger Auslese und statt dessen mehr Integration?

Wanjek: Überhaupt keine Auslese! Bei uns ist die Fragestellung immer die: Was können wir tun, damit du deinen nächsten Lernschritt erreichst? Die Erwartung ist nicht, dass wir alle durchs Abitur bringen. Unsere Aufgabe ist es zu sagen: Wir garantieren, dass möglichst jedes Kind den nächsten Lernschritt gehen kann und sein Potenzial ausschöpft.

 

Welche Abschlüsse bieten Sie an?

Wanjek: Den Hauptschulabschluss und den Realschulabschluss. Es besteht außerdem die Möglichkeit, in jedem Schuljahr oder nach dem Abschluss der Klasse zehn an ein allgemeinbildendes oder berufliches Gymnasium zu wechseln. Wichtig ist: Wir halten keine Schüler. Wenn es für das Kind richtig ist, geben wir die Empfehlung auf eine andere, weiterführende Schule. Es steht immer das Kind im Vordergrund, und nicht die Schule.

 

Wie ist – auf die Leistungsfähigkeit bezogen – die Zusammensetzung der Schülerschaft?

Wanjek: Etwa zwei Drittel sind Kinder mit Werkrealschul-Empfehlung, die anderen mit Realschul- und vereinzelt Gymnasial-Empfehlung. Es gibt Schüler, die wir aufbauen. Einige lernen auf Gymnasial-Niveau, das sie vorher vielleicht gar nicht durchgängig hatten. Das ist auch so eine Besonderheit der Gemeinschaftsschule. Oft besteht Unsicherheit bei Eltern und Kindern, was das Lernniveau betrifft. Da gibt es zum Beispiel Schülerinnen und Schüler, die aus anderen Ländern kommen und noch nicht so gut Deutsch können, die aber kognitiv das Potenzial haben. Oder Eltern sagen: Mein Kind wäre zwar fürs Gymnasium geeignet. Aber das sind so große Schulen, das ist vom Umfeld her ein bisschen unsicher.

 

Aus welchem geographischen Umkreis kommt die Schülerschaft?

Wanjek: Für Gemeinschaftsschulen gibt es keine Schulbezirke. Die Kinder kommen aus allen Orts- und Stadtteilen Offenburgs, etliche aber auch von außerhalb, zum Beispiel aus Neuried.