Mit ironisch gefärbter Prägnanz

- 16.10.2020 - 

Der Maler Peter Bosshart erhält am Sonntag im Rahmen eines Festaktes den Oberrheinischen Kunstpreis verliehen

 

Die Stadt Offenburg und der Förderkreis Kunst + Kultur e.V. verleihen am 18. Oktober 2020 im Rahmen eines Festaktes zum vierten Mal den Oberrheinischen Kunstpreis Offenburg. Der renommierte Kunstpreis geht in diesem Jahr an den in Efringen-Kirchen lebenden Maler Peter Bosshart. Ausgezeichnet wird er für „seine Leidenschaft der kraftvoll-figürlichen Bilderzählung“, heißt es in der Begründung der international besetzten Fachjury.

In einem Turnus von drei Jahren geht der Preis für herausragende Leistungen an Kunstschaffende aus Deutschland, Frankreich und aus der Schweiz. Ausgezeichnet werden Künstlerinnen und Künstler, die in der trinationalen Kunstregion Oberrhein wirken, wichtige künstlerische Themen der Gegenwart aufgreifen und neue Impulse setzen. Zur Auszeichnung gehören ein Preisgeld in Höhe von 10 000 Euro, eine umfassende Ausstellung in der Städtischen Galerie Offenburg sowie eine dreisprachige ausführliche Katalogpublikation.

„Gemeinsam mit dem Förderkreis Kunst + Kultur und einem versierten Jurygremium ist es uns erneut gelungen, ein beachtenswertes Kunstvorhaben mit einem außergewöhnlichen Künstler unserer Kulturregion auf den Weg zu bringen“, so Marco Steffen, Oberbürgermeister der Stadt Offenburg. „Mit der Wahl Peter Bossharts zeichnen wir einen Künstler aus, dessen Malerei geprägt ist von einer spürbaren Lust am Fabulieren. Seine Bilder verweben Gesehenes, Gehörtes – aber auch Träume und Wortspiele. Die Schilderungen sind oft hintergründig, gezeichnet von einem sehr persönlichen Humor. So entsteht ein ganz eigener, faszinierender Bildkosmos.“

Peter Bosshart lebt und arbeitet in Efringen-Kirchen. Nach Studienjahren in Basel und Frankfurt am Main kehrte er 1998 in seine Heimatregion zurück. „Was mir an seinen Bildern so gut gefällt, ist ihre Treffsicherheit, ihre Lakonie. Er macht nicht viel Worte über eine Sache – er malt sie und – übermalt sie“, beschreibt Professor Klaus Gallwitz, Vorsitzender der Jury des Oberrheinischen Kunstpreises 2020, Bossharts künstlerische Strategie. „Immer steckt eine oft ironisch gefärbte Prägnanz dahinter, die auch in den Parabeln und Kurzgeschichten von Bossharts alemannischem Landsmann Johann Peter Hebel zu Hause ist.“

„Ich versuche das Reich der Malerei zu entdecken, in dem ich es beschränke“, beschreibt Peter Bosshart seine Vorgehensweise. „Die Möglichkeit, bei sich zu sein, habe ich einzig in der Malerei gefunden. Darin enthalten ist das Hin und Her zwischen Geschehenlassen und Anstreben einer klaren Form. In der Malerei erhält das Momenthafte, das, was ich jetzt mache, ein Bild, das man später sehen kann. Es ist die Möglichkeit, so etwas wie das Zeitliche zu begreifen oder den Moment festzuhalten. Ich meine nicht, dass da jetzt die Stimmung durchkommen muss, in der man gerade ist, sondern einen Tatort, an dem man den Täter in flagranti erwischt, oder er gerade kurz zuvor abgehauen ist.“

 

Biografie und Jurymitglieder

Peter Bosshart, 1966 in Lörrach geboren, lebt und arbeitet in Efringen-Kirchen. Nach einer Ausbildung zum Textilmustergestalter in Lörrach besuchte er die Kunstgewerbeschule in Basel, danach studierte er von 1990 bis 1996 an der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste in Frankfurt am Main bei Thomas Bayrle, Martin Kippenberger und Andreas Slominski. 1996/98 erhielt er ein Atelierstipendium der Stadt Frankfurt für das Künstlerhaus Mousonturm. Nach seinem Frankfurter Aufenthalt kehrte er 1998 als freischaffender Künstler in seine Heimatregion zurück. Bosshart wurde ausgewählt von einer Jury unter Vorsitz des Kunsthistorikers und internationalen Kurators Klaus Gallwitz und den weiteren Mitgliedern Julia Garimorth (Chefkonservatorin, Musée d‘Art Moderne de la Ville de Paris), Sören Grammel (Leiter Kunst ab 1960/Gegenwartskunst, Kunstmuseum Basel), Christine Litz (Direktorin des Museums für Neue Kunst Freiburg) und Bernhard Serexhe (Kurator, Karlsruhe).