Möglichst viele Menschen erreichen

- 06.11.2020 - 

Arbeitsgruppe 9. November organisiert virtuelles Gedenken/Wunsch nach einer offenen und fairen Diskussion

 

Die Arbeitsgruppe 9. November will trotz der Coronakrise und den damit verbundenen Einschränkungen bei öffentlichen Veranstaltungen auch in diesem Jahr möglichst viele Menschen erreichen. Daher wird es erstmals ein virtuelles Gedenken an die Opfer der Reichspogromnacht geben. Über Ablauf und Inhalt hat sich die -Redaktion mit Kulturbürgermeister Hans-Peter Kopp und Kulturchefin Carmen Lötsch unterhalten.

Die Reichspogromnacht jährt sich zum 82. Mal – worin besteht die Singularität bis heute? 

In der Nacht vom 9. auf 10. November wurden in ganz Deutschland, so auch hier in Offenburg, Menschen drangsaliert, Synagogen gestürmt, wurde der jüdische Glaube mit Füßen getreten. Man kann diese Nacht als Fanal für die folgende systematische Verfolgung, Vertreibung und Ermordung der jüdischen Bevölkerung lesen, als Auftakt zum staatlich organisierten Massenmord.

 

Wie setzt sich die Arbeitsgruppe 9. November zusammen?

In Offenburg sind die beiden großen christlichen Kirchen seit vielen Jahren dabei, die jüdische Gemeinde Emmendingen/Ortenau ist ebenso vertreten wie die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten BNN-BdA. Außerdem sind das Museum im Ritterhaus, das Kulturbüro und die Fachbereichsleitung Kultur der Stadtverwaltung involviert.

 

Welche Intention verfolgt die AG grundsätzlich?

Wichtig ist uns, regelmäßig an diese Gräueltaten zu erinnern. Dieses schlimme Unrecht, das den Juden in Deutschland durch ihre Mitmenschen angetan wurde, dürfen wir nicht vergessen. Wir versuchen das mit unterschiedlichen Formen des Gedenkens und in enger Partnerschaft mit anderen Akteur/innen. Wir wollen daran erinnern, welches Unrecht Menschen ihren Mitmenschen angetan haben – einzig aufgrund ihres Glaubens oder ihrer Abstammung.

 

In diesem Jahr wollen Sie mit Stellungnahmen verschiedener Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens arbeiten – wen haben Sie angefragt?

Da wird natürlich der Oberbürgermeister dabei sein. Er hält ja sonst im Salmen, so ist es Tradition, die Rede zum 9. November. Wir haben die Partner/innen des Arbeitskreises angefragt und natürlich Eva Mendelsson – eine der letzten Überlebenden der damaligen jüdischen Gemeinde Offenburg.

 

Was soll mit den Statements geschehen?

Diese werden zum 9. November in den sozialen Medien veröffentlicht.

 

Wie kann sich die Bürgerschaft beteiligen?

Da gibt es ganz unterschiedliche Möglichkeiten. Das beginnt bei einem einfachen „Like“, also dem Klick auf den „Gefällt-mir“-Button. Man kann die Posts natürlich kommentieren und sich mit anderen austauschen. Es können auch eigene Posts erstellt werden, die wir dann online stellen. Wir wünschen uns eine offene und faire Diskussion zu einem auch heute noch aktuellen Thema.

 

Werden die Posts kontrolliert?

Die Posts werden nicht kontrolliert, im Sinne einer Zensur. Das heißt, jeder kann eigene Gedanken beitragen. Wir werden die Diskussion am 9. November aber redaktionell betreuen. Und wenn freie Meinungsäußerung umschlägt in Leugnung des Holocaust, in Beleidigung, Hass und Hetze, dann werden wir entsprechend reagieren.

 

Aufgrund der Corona-Verordnung wird es vorerst keine Ausstellung geben. Soll die Schau nachgeholt werden?

Ursprünglich sollte die Sonderausstellung „Ausgegrenzt. Vernichtet. Geflohen“. Das Schicksal der jüdischen Gemeinde Offenburg.“ im Salmen am 9. November ganztägig geöffnet sein. Das ist nun aktuell nicht möglich. Wir arbeiten jetzt mit ganzer Kraft an der künftigen Dauerausstellung im Salmen.

 

Ursprünglich war vorgesehen, den Film der Erich-Kästner-Realschule „Wohin“ im Salmen zu zeigen – wird dieses Vorhaben auf Eis gelegt?

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Diesen bemerkenswerten Film wollen wir gerne vor vollem Haus zeigen. Der Erich-Kästner-Realschule ist da etwas ganz Herausragendes gelungen. Wir wollen nicht, dass der Film in Offenburg nur einem ganz kleinen Publikum vorbehalten bleibt. Das wäre einfach schade.