Offenburg lebt Vielfalt

- 06.11.2020 - 

In einer Sondersitzung des Integrationsbeirats wurde das aktuelle Integrationskonzept der Stadt Offenburg vorgestellt

 

Teilhaben, ermutigen, mitmachen: In der jüngsten Sitzung des Integrationsbeirats am Mittwoch wurde das aktuelle Integrationskonzept vorgestellt und einstimmig dem Gemeinderat zur Verabschiedung empfohlen. Es trägt die Handschrift der Integrationsbeauftragten Regina Wolf und des Fachbereichsleiters Familien, Schulen und Soziales, Michael Hattenbach – beide verabschieden sich Ende des Jahres in den Ruhestand. Um die visuelle Konzeption kümmerte sich Moritz Lang, Grafische Republik.

Zuwanderung als Chance und Herausforderung zu erkennen, das war früh schon die Sichtweise von Gemeinderat und Verwaltungsspitze, unterstrich Hattenbach. Daher wurde in die Strategischen Ziele der Stadt der Leitsatz aufgenommen: „Offenburg versteht sich als offene Stadt. Sie heißt Menschen willkommen und fördert die Integration.“ Bereits 2006 wurde ein erstes Integrationskonzept verabschiedet. Mit der weiteren Migration, vor allem dem verstärken Zuzug 2015, ist nicht nur der Anteil an Migrantinnen und Migranten in der Stadt gestiegen, die Anforderungen haben sich auch inhaltlich geändert. Mit der aktualisierten Vorlage wird das Konzept fortgeschrieben. Es handelt sich um eine „Handreichung für Fachkräfte“, wie Bürgermeister Hans-Peter Kopp betonte, darüber hinaus um eine Leitlinie für die gesamte Verwaltung: „Integration ist nicht die Aufgabe von wenigen, sondern von uns allen.“ Das Konzept ist ein offenes und flexibles Instrument, das stetig weiterentwickelt wird.

Offenburg verzeichnet mehr als 61 000 Einwohner/innen (Stand Dezember 2019). Jede dritte Person hat eine Migrationsgeschichte (36,3 Prozent). Das Spektrum der Länder, aus denen die Migrant/innen kommen, hat sich seit 2005 stark verändert, die Anzahl der Herkunftsländer wuchs auf 126 an, angeführt von der Türkei, Rumänien und Italien.

Ein zentrales Handlungsfeld ist die Sprache: „Das Beherrschen der deutschen Sprache ist das Kernelement, um eine gelungene Integration zu ermöglichen.“ Verwiesen wird auf das Institut für Deutsche Sprache, aber auch auf ehrenamtlich organisierte und durchgeführte Sprachkurse. Die Bildungseinrichtungen der Stadt tragen ganz wesentlich zu einer gelingenden Integration bei. Sie dienen nicht nur als Orte des Spracherwerbs, sondern vermitteln auch wesentliche Werte der hiesigen Gesellschaft. Da bereits im Vorschulbereich wesentliche Grundlagen für den Bildungserfolg gelegt werden, ist es umso wichtiger, dass die Kinder spätestens mit drei Jahren den Kindergarten besuchen. In einigen Kitas werden zusätzlich Projekte des Landes und des Bundes genutzt.

Kunst- und Kulturprojekte sind besonders gut geeignet, Brücken zu bauen, Teilhabe zu ermöglichen und zum interkulturellen Austausch beizutragen. Aushängeschilder sind das „Internationale Fest“ und die „Interkulturellen Wochen“. Nicht zuletzt das Kulturbüro will mit seinem Programm die Kontakte zwischen einheimischer und ausländischer Bevölkerung fördern. Stadtbibliothek, Museum, Kunstschule, Musikschule und Volkshochschule tragen mit ihren Angeboten ihren Teil zum guten Miteinander bei. Es gibt die Jugendarbeit sowie das Engagement in den Stadtteil- und Familienzentren sowie in den Ortsteilen.

Regina Wolf ging insbesondere auf die neuen Handlungsfelder ein. So gibt es jetzt den Bereich „Ausbildung, Beschäftigung und Arbeit/Betriebe“ – hier will die Stadt mit gutem Beispiel vorangehen und vermehrt Menschen mit Migrationshintergrund in allen Fachbereichen einstellen: „Wir sind mittendrin.“ Wolf ging auf den Interreligiösen Dialog und das Miteinander der Religionen ein – ein Herzensanliegen der scheidenden Integrationsbeauftragten, die das ausgesprochen aktive Wirken des entsprechenden Arbeitskreises hervorhob.

20 Migrantenorganisationen mit „großen Integrationsbemühungen“ wirken inzwischen in der Stadt – ohne sie sei das Internationale Fest undenkbar, so Wolf. Die Vereine verstehen sich als Brückenbauer und Form demokratischer Beteiligung. In dem Konzept wird zudem auf Bereiche wie Älterwerden sowie Freizeit und Sport eingegangen. An strukturellen Maßnahmen werden der Integrationsbeirat, die Arbeit der Integrations- und Flüchtlingsbeauftragen, die Steuerungsgruppe Integration und das Ausländerbüro aufgeführt. Erwähnt werden darüber hinaus die Liga der Freien Wohlfahrtspflege sowie die Flüchtlingshilfen und Initiativen.

In der Fragerunde wurde auf Details eingegangen und um kleine Ergänzungen gebeten; grundsätzlich gab es Zustimmung. Die Verwaltung betonte erneut, Integration sei eine Querschnittsaufgabe. Zudem könne ein solche Konzeption nicht in einfacher Sprache formuliert werden; die Komplexität liege in der Natur der Sache.

 

Integrationskonzept

Das Integrationskonzept lässt sich unter www.offenburg.de/html/integrationskonzept.html herunterladen. Es wird auch im nächsten Ausschuss für Familie und Jugend am 18.11. vorgestellt und kommt am 14.12. in den Gemeinderat.