Digital der Pogromnacht gedacht

- 12.11.2020 - 

Präsenzveranstaltung wegen Corona nicht möglich – Stellungnahmen zum 9. November sind im Internet zu sehen

 

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurden in Deutschland die Synagogen in Brand gesetzt. Tausende jüdische Wohnungen und Geschäfte wurden verwüstet. Juden wurden verhaftet, misshandelt und getötet. In Offenburg zerstörten die Nationalsozialisten die damalige Synagoge im Salmen, zerschlugen die Einrichtung jüdischer Wohnungen und Läden und verschleppten zahlreiche jüdische Männer.

In den folgenden Jahren wurden jüdische Menschen entrechtet, verfolgt, vertrieben und schließlich millionenfach ermordet. Jährlich gedenkt die Stadt Offenburg am 9. November dieser schrecklichen Ereignisse.

Möglichst viele Menschen erreichen, trotz der Coronakrise und den damit verbundenen Einschränkungen – das war in diesem Jahr das erklärte Ziel der Offenburger Arbeitsgruppe „9. November“. Daher gab es erstmals ein virtuelles Gedenken an die Opfer der Reichspogromnacht.

Im Mittelpunkt stand die Stellungnahme von Eva Mendelsson. Sie ist eine der letzten Überlebenden der damaligen jüdischen Gemeinde Offenburgs. Ebenfalls zu Wort meldeten sich die jüdische Gemeinde Emmendingen/Ortenau, Oberbürgermeister Marco Steffens, Bürgermeister Hans-Peter Kopp, Kulturchefin Carmen Lötsch, der evangelische Dekan Frank Wellhöner sowie Liliane Leible vom VVN-BDA Ortenau.

Oberbürgermeister Steffens nahm in einem emotionalen Videoclip einen Perspektivwechsel vor. „Stellen Sie sich vor“, Sie haben soeben erfahren: Eine gewalttätige Meute ist in Ihre Kirche eingedrungen, verwüstet den Innenraum, schändet den Altar und die sakralen Gegenstände. Sie, Mitglied der Kirchengemeinde, wollen einschreiten. Aber Sie kommen nicht aus Ihrer Wohnung. Vor der Haustür haben sich Männer zusammengerottet, werfen die Scheiben ein, brüllen Drohungen. In ihren Gesichtern steht Hass. Die Kinder weinen. In ihren Gesichtern sehen Sie Todesangst.“

Eva Mendelsson konnte dieses Jahr wegen der Pandemie nicht aus ihrem britischen Wohnort nach Offenburg kommen. „Meine Aufgabe habe ich immer darin gesehen, zur Stimme zu werden für diejenigen, die man zum Schweigen gebracht hat, meine Mutter Sylvia Cohn, meine ältere Schwester Esther“, schreibt sie. Den Nachgeborenen legt sie ans Herz: „Kämpft gegen Rassismus jeder Art!“

Veröffentlicht sind die Beiträge  im Internet auf den Social Media-Kanälen der Stadt. Dazu gehören facebook.com/stadtoffenburg und instagram.com/stadtoffenburg. Die Beiträge können kommentiert werden. Gewünscht ist eine  faire Diskussion zu einem immer noch hoch aktuellen Thema. Der Fachbereich Kultur betreut die Diskussion redaktionell. Alle Beiträge auf einen Blick  sind auch auf der Homepage der Stadt Offenburg zu finden unter www.offenburg.de/gedenken20.

Ursprünglich war für das Gedenken zum 9. November vorgesehen, den bewegenden Film „Wohin“ der Erich-Kästner-Realschule im Salmen zu zeigen. Ein Nachholtermin wird geplant.

Die Ausstellung im Salmen (Glashaus) „Ausgegrenzt, Geflohen, Vernichtet“ zum Schicksal der jüdischen Gemeinde Offenburgs kann leider im November ebenfalls nicht geöffnet werden. Einen Eindruck bekommt man allerdings auch von außen beim Blick durch die Scheiben.

Dem Arbeitskreis 9. November gehören die beiden großen christlichen Kirchen an, die jüdische Gemeinde Emmendingen/Orte-
nau ist ebenso vertreten wie die   Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten BNN-BdA. Von städtischer Seite sind das Museum im Ritterhaus, das Kulturbüro sowie die Fachbereichsleitung Kultur dabei.