OB Steffens: "Absagen ist einfach"

- 19.11.2020 - 

Aktuelle Stunde im Gemeinderat zum „Weihnachtsmarkt“: uneinheitliche Stimmungslage zum kreativen Konzept

 

Das Thema „Weihnachtsmarkt“ beschäftigte am Montag den Gemeinderat. Auf Antrag der Grünen-Fraktion war es kurzfristig als „aktuelle Stunde“ in die Tagesordnung genommen worden.

Die Durchführung eines Weihnachtsmarkts, so die Begründung, beinhalte bei der momentanen Pandemie-Situation „eine Vielzahl kaum überblickbarer und auch unbeherrschbarer Unwägbarkeiten, Risiken und möglicherweise dramatischer gesundheitlicher Folgen“. Diese Bedenken träfen auch auf die für Offenburg geplanten Version zu – also eine dezentrale Verteilung von Buden in der Innenstadt unter dem Motto „Weihnachtliches Offenburg“.

„Ist es tatsächlich richtig und zu verantworten, hier in Offenburg – im Unterschied zu vielen anderen Gemeinden – den Weihnachtsmarkt durchzuführen?“ so die Frage der Grünen. Grünen-Stadtrat Norbert Großklaus fragte: „Warum halten wir wider besseres Wissen an dem Konzept fest?“

Oberbürgermeister Steffens legte ausführlich dar, warum er für das vorgelegte Konzept einsteht. Zunächst einmal wolle er nicht ständig nur Absagen aussprechen: „Absagen ist einfach.“ Er stelle sich gern der kritischen Diskussion. Menschen seien soziale Wesen, man wolle etwas für die Herzen der Menschen in der Vorweihnachtszeit tun. Der OB zeigte sich überzeugt: „Dezentrale Veranstaltungen sind möglich, wenn sich alle an die Regeln halten. Das wollen wir den Menschen zeigen.“ Die Stadtverwaltung sei bei der Suche nach Lösungen und der Umsetzung „das ganze Jahr unwahrscheinlich kreativ“ gewesen.

Direkt anschließend zeigte Stadtmarketing-Chef Stefan Schürlein, wie so ein kreatives Konzept aussieht. Er demonstrierte anhand verschiedener Lagepläne, wie die Buden in der Innenstadt weitläufig verteilt werden. Eine Konzentration auf einen festen Platz wird dabei ausgeschlossen. „Das zentrale Ziel ist es, die Gäste in Bewegung zu halten“, erläuterte Schürlein.

Bei der weiteren Debatte zeigte sich, dass die Meinungen im Rat das gesamte Spektrum von Ablehnung bis Zustimmung abdeckten. Albert Glatt (CDU) gehörte zu den Befürwortern. Er sehe in dem Konzept etwas Vertretbares, das „ein bisschen Normalität erlaubt“. Es habe „nichts mit dem Weihnachtsmarkt zu tun, wie wir ihn kennen“. Möglicherweise könne man Menschen, die es in der Pandemie-Situation schwer haben, einen „Moment des Glücks“ bescheren.

Auch Silvano Zampolli (FDP) lobte: „Ich danke der Verwaltung, dass sie hier mit Augenmaß gearbeitet hat.“ Der Mensch lebe auch vom Kontakt mit anderen, außerdem wisse man mittlerweile mehr über das Virus als im März. Ihm sei nicht bekannt, dass es durch die regelkonformen Veranstaltungen im Sommer größere Ansteckungen gegeben hätte.

Ähnlich die Äußerung Tobias Isenmanns (FW), der das Stadtmarketing lobte. Es habe im Sommer gezeigt, dass man flexibel auf außergewöhnliche Situationen eingehen kann. Ebenso bedankte sich Florence Wetzel (Offenburger Liste): „Das Konzept ist für den Einzelhandel bitter notwendig.“

Doch auch Sorgen wurden geäußert: „Wir bewegen uns auf einem schmalen Grat“, kommentierte etwa Martina Bregler (SPD). Nach persönlichen Beobachtungen während eines Wochenmarkt-Besuchs habe sie Zweifel, ob es mit den Weihnachtsständen funktioniere. Besonders kritisch sahen Bregler und weitere Ratsmitglieder wie Mario Vogt (FW) den Ausschank von Alkohol. „Maskenpflicht und Glühwein – eine interessante Kombination“, lautete der beißende Kommentar von Stefan Böhm (Grüne).

So zeigte sich ein uneinheitliches Gesamtbild, Einigkeit herrschte weder innerhalb der Fraktionen noch unter den Ärzten, die dem Gremium angehören. Zwei Seelen schlügen in seiner Brust, so Roland Müller (FDP), der von einem „Dilemma“ sprach.

Jens-Uwe Folkens wiederum war fest davon überzeugt, dass kein größeres Risko bestehe, so lange das Konzept von allen eingehalten wird.

Eine Frage beschäftige die Räte in besonderem Maß: Was passiert, wenn sich zeigt, dass Vorgaben nicht eingehalten werden? Darauf hatte Oberbürgermeister Steffens eine deutliche Antwort: „Wenn es an gewissen Ständen nicht läuft, müssen sie geschlossen werden.“ Zunächst solle man den Menschen aber doch erst einmal etwas zutrauen.

 

Hygienekonzept

Maskenpflicht auf dem gesamten Gelände; keine Stehtische, keine Sitzgelegenheiten; alle Speisen und Getränke nur zum Mitnehmen; individuell gestaltetes Hygienekonzept pro Stand; Abstandsmarkierungen; ständige Kontrolle der Einhaltung der Regeln; kein „Chalet“; Besucher halten sich ausschließlich im freien Raum auf.