Weihnachten 2020

- 18.12.2020 - 

Das Fest des Friedens unter Corona-Bedingungen
 
Das Weihnachtsfest unter Pandemie-Bedingungen – wie gehen die Kirchen mit einer solchen Situation um? Darüber sprachen wir mit dem katholischen Dekan Matthias Bürkle.
 

Herr Dekan, was ist die Weihnachtsbotschaft in einer Situation, in der durch die Corona-Pandemie Menschen in Gefahr sind und viele von ihnen krank werden oder sogar sterben?
Matthias Bürkle: Die Weihnachtsbotschaft sagt uns, dass wir nicht alleine sind, dass es da einen gibt, der bei uns ist und mit uns geht – und zwar alle Wege des Lebens. Die Krippe ist aus Holz, aber auch das Kreuz ist aus Holz. Derjenige, der in der Krippe zur Welt kam, ist derselbe, der am Kreuz hing und der solidarisch ist mit allen, die leiden müssen. Das Kreuz steht dafür, dass Leid und Tod überwunden werden. Das muss man mit bedenken, wenn man die Weihnachtsbotschaft hört.

Wie können Sie in diesen Zeiten Sterbende begleiten? Ist das überhaupt möglich?
Bürkle: Wir gehen auf die Intensivstationen, auch zu Corona-Patienten. Ich bin dem Personal des Klinikums sehr dankbar, dass es uns als Seelsorgern, aber auch den Angehörigen ermöglicht, schwer Kranke und Sterbende zu besuchen. Das ist ein großer zusätzlicher Aufwand für Pflegerinnen und Pfleger, die bereits an der Belastungsgrenze arbeiten. Ich hoffe, es wird bei allen Einschränkungen möglich bleiben, denn wir setzen damit ein Zeichen: Wir lassen euch nicht allein.
 
Wie schützen Sie die Gläubigen bei den kirchlichen Weihnachtsfeiern?
Bürkle: Es war uns schon im Sommer klar, dass dies kein Weihnachten wird wie jedes Jahr. Gut gefüllte Kirchen sind nicht möglich. Wir müssen andere Wege gehen. So feiern wir die Gottesdienste jetzt auch an anderen Orten. Wir gehen ins Freie auf öffentliche Plätze, wo Abstände eingehalten werden können. Für Familien mit kleinen Kindern gibt es beispielsweise eine Feier am Tiergehege am Gifiz-See. Wir beschränken uns auf etwa eine halbe Stunde.

Müssen denn die Weihnachtslieder alle ausfallen? Für viele ist das ja das Schönste an Weihnachten ...
Bürkle: Nicht ganz. Es wird Sängerinnen und Sänger geben, die stellvertretend für alle musizieren – in einer Form, die eine Ansteckung mit dem Virus ausschließt. Leider wird nicht möglich sein, dass die Gemeinde in den Gesang einstimmt.
 
Was geschieht mit Menschen, die an Weihnachten allein sind?
Bürkle: Das ist ein Problem, das durch die Pandemie noch deutlicher wird. Unsere Besuchsdienste bestehen ja auch überwiegend aus älteren Menschen, die zu den Risikogruppen gehören. Daher der Appell an alle: Wenn Sie Menschen kennen, die alleine sind und die aus unterschiedlichen Gründen nicht besucht werden können, greifen Sie zum Telefon! Zeigen Sie ihnen, dass sie nicht vergessen sind. Jede Form der Zuwendung ist wichtig in diesen Tagen.

Wie gestaltet sich dieses Jahr die Zusammenarbeit der Konfessionen?
Bürkle: Die Pandemie ist auch eine Stunde der Ökumene. Wir katholischen Christen und unsere evangelischen Schwestern und Brüder gestalten viele Gottesdienste gemeinsam, wir feiern gemeinsam. Auch das ist eine wichtige Botschaft zu Weihnachten.