Online-Unterricht

- 02.04.2020 - 

Angebot an digitalen Lernmitteln sehr variationsreich

Der Unterricht an den Schulen in Baden-Württemberg wird durch die Corona-Krise voraussichtlich bis Ende der Osterferien (19. April) ausgesetzt. Für die Schüler/innen soll der Unterricht jedoch weitergehen – digital, wenn es nach dem Kultusministerium Baden-Württemberg geht. Doch wie sieht es in der Praxis aus? – Ein Gespräch mit Manfred Keller, geschäftsführender Schulleiter der Offenburger Gymnasien.

 

Manfred Keller: „Alle freuen sich auf die Rückkehr zum normalen Unterricht.“
Herr Keller, digitaler Unterricht in der Corona-Krise. Wie sieht dieser an den Offenburger Gymnasien aus?

Manfred Keller: Es geht vermutlich – wie an allen Schulen in Deutschland – sehr variationsreich zu. Das heißt, jede Klasse, jede Familie bekommt ein völlig unterschiedliches Angebot an digitalen Lernmitteln. Einerseits gab es auch vor Corona schon digitalen Unterricht. Andererseits sind alle Lehrkräfte von der neuen Situation überrascht worden. Ich gehe davon aus, dass alle improvisieren mussten, aber im Laufe der Zeit kreativer wurden: Es wird vermehrt mit Videos, Audios, neuartigen Programmen, sozialen Lernplattformen, interaktiven Angeboten gearbeitet.

 

Gibt es Probleme mit überlasteten Online-Lernplattformen?

Keller: Zu Beginn schon. Die Verlage haben sich zwar schnell auf die Schulschließungen eingestellt, indem sie neue Angebote online oder bisher Kostenpflichtiges (zumindest zeit-weise) gratis zur Verfügung stellten. Aber in den ersten Tagen kam wiederholt die Meldung „zurzeit überlastet – Versuchen Sie es später noch einmal“. Dieses hat sich inzwischen gebessert.

 

Wie ist die Rückmeldung seitens der Schüler?

Keller: Nach allem, was ich gehört habe, funktioniert es ganz gut und die Schüler sind nicht unzufrieden. Auch hier muss man wieder unterscheiden zwischen der Situation zu Beginn, als diese Art des Unterrichts für viele noch den Reiz des Neuen hatte, und dem Gefühl, das die Schüler/innen (und übrigens auch die Lehrkräfte) inzwischen haben: Wir alle freuen uns wieder auf die Rückkehr zum „normalen Unterricht“.

 

Was können Eltern tun, um ihre Kinder optimal zu Hause zu unterstützen?

Keller: Die Eltern leiden wahrscheinlich am meisten in der jetzigen Lage: Denn sie müssen sowohl ihre Elternrolle ausfüllen (und zwar fast doppelt so lange wie sonst an Wochentagen üblich) als auch Aufgaben der Lehrkräfte übernehmen. Eine optimale häusliche Unterstützung sollte aber nicht so aussehen, dass die Eltern versuchen, den ausgefallenen Unterricht zu ersetzen. Das geht weder zeitlich noch in pädagogisch-didaktischer Hinsicht. Es ist in Ordnung, wenn sie ihre Kinder (wie auch sonst) daran erinnern, dass sie noch Hausaufgaben zu erledigen haben. Es ist auch sicher nützlich, wenn sie zusammen mit ihren Kindern einen zeitlichen „Rahmen“ für die Gestaltung des Tagesprogrammes entwerfen. Aber sie sollten sich nicht stundenlang neben das Kind setzen und pauken. Wir Lehrkräfte sind auch nach der Schulschließung dafür verantwortlich, dass die Schüler ohne allzu große Lücken im Stoff weiterkommen.

 

Die Abitur-Prüfungen sollen stattfinden, jetzt zeitversetzt vier Wochen später. Wie sehen Sie diese länderübergreifende Entscheidung?

Keller: Das ist eine gute Entscheidung. Sie gewährleistet, dass das Abitur stattfinden kann. Und sie reduziert für Schüler und Lehrkräfte zumindest ein wenig den unvermeidlich entstehenden Zeitdruck.