Architektur

 Quelle:  Stadt Offenburg
Neubelebung eines Baudokuments deutscher Geschichte
 

Für dieses herausragende Kulturdenkmal Salmen gab es lange Zeit keine Zukunftsperspektive. Der über Jahrzehnte gewerblich genutzte Bau befand sich in einem stark renovierungsbedürftigen Zustand, die notwendigen Investitionen für eine denkmalgerechte Renovierung fehlten. Vorbei war die Zeit, als die Stadtverwaltung auf private Investoren hoffen konnte. So trat sie 1997 selbst in die Fürsorge für den Salmen ein, um ihn vor nachträglichem Zugriff zu schützen. Dieses mutige Vorgehen ist ebenso zu würdigen wie die Entscheidung, dem geschichtsträchtigen Kulturdenkmal entsprechend seiner herausragenden Bedeutung wieder eine angemessene öffentliche Nutzung zu geben.

 

Die Umnutzung im Denkmalzusammenhang mit allen schwierigen Entscheidungsschritten konnte in vorbildlicher Weise von der Bauherrin gelöst werden. Das Erdgeschoss, einst Stallung und Remise, dient künftig als Foyer, der große Saal im Obergeschoss ist wieder Festsaal und auf der Galerie von 1812 wird die Geschichte des Salmen inszeniert - die Revolutionsgeschichte ebenso wie die jüdische Vergangenheit aus der Zeit der Synagogennutzung. Alle notwendigen nutzungsbedingten Ein- und Anbauten sind entsprechend dem preisgekrönten Wettbewerbsentwurf nicht durch fragwürdige Lösungen in der Form historisierender Nachbildungen oder Anpassungen entstanden, sondern mit hoher Qualität in der Sprachmöglichkeit unserer Zeit hinzugefügt. So erfahren die Besucherinnen und Besucher an diesem Ort Vergangenheit und Gegenwart als ein Stück Geschichte, die das Erlebnis im historischen Salmen nicht etwa mindert, sondern vielmehr bereichert.

 

Wer genau hinsieht spürt, dass dieses "in Ordnung gebrachte" Gebäude einerseits entsprechend seiner besonderen nationalen und kulturellen Bedeutung wieder Ansehen ausstrahlt und anderseits auch befragbar bleibt, hinsichtlich der geschichtsreichen Vergangenheit. Der Salmen vermittelt in Gestalt und Substanz authentische Geschichte.

Umfassende Neukonzeption


Die Ziele für die Neukonzeption des Areals Lange Strasse 52 waren umfassend: Die verborgene historische Stätte sollte wieder ins Blickfeld der Öffentlichkeit gerückt, die wechselvolle Geschichte des Gebäudekomplexes erfahrbar gemacht und die historischen Elemente des Ganzen sollten durch die Einbindung in einen neuen baulichen Kontext gleichzeitig bewahrt und neu nutzbar gemacht werden.

 

Das heute bestehende Gebäudeensemble Kulturzentrum Salmen setzt sich aus vier Gebäudegliedern zusammen:


- Aus einem mit seiner Schmalseite zur Lange Strasse hin gelagerten historischen Wohnhaus (Lange Strasse 54) mit dem Bistrorant Salmen,
- aus einem diesem Haus gegenüber liegenden transparenten, zur Lange Strasse hin abschließenden Rampenbauwerk, über das der Salmensaal erschlossen wird,
- aus dem eigentlichen Kerngebäude mit dem Salmensaal
- und aus einem Bühnenhaus, das im Westen an das Kerngebäude anschließt.

 

Vorgehensweise und Ausführung


Zunächst wurde das Areal von den Bebauungen der Nachkriegszeit "befreit", so dass die Konturen der einzelnen Gebäudeteile von der historischen und heutigen Haupteingangsseite (Lange Strasse) aus wieder eindeutig wahrgenommen werden können. Ein Stahlrahmen mit integrierter Hinweistafel erreicht die angestrebte städtebauliche Schließung des entstandenen Baublocks und den Hinweis auf das Baudokument Deutscher Geschichte.

 

Das ehemalige Saalgebäude bildet das Zentrum der neuen Anlage. Das gesamte Gebäude kann multifunktional genutzt werden. Die drei Ebenen des Salmensaalgebäudes, also die ehemaligen Stallungen im Erdgeschoss, der Festsaal im ersten Obergeschoss und die Galerie, blieben, wo irgendmöglich, in ihrer räumlichen und atmosphärischen Wirkung, ihrer Materialität und ihren historischen Befunden unverändert. Ihre Substanz wurde behutsam saniert.

 

Die Funktionen für die Neunutzung des Gebäudes als Kulturzentrum wurden außerhalb des historischen Baukörpers in eigenen Bauteilen untergebracht. Diese Neubauten präsentieren sich in ihrer Architektur zurückhaltend und eigenständig. Die Bedeutung der historischen Elemente bleibt so unbeschränkt. Die hufeisenförmige Gruppierung der einzelnen Gebäude um den vielfältig nutzbaren Vorplatz vereint Alt und Neu zu einem spannungsreichen Ensemble.