Franziskanerkloster

 Quelle:  Stadt Offenburg

Nach dem großen Stadtbrand von 1689 wieder aufgebaut.

 

Die Barockkirche ist mit einem wuchtigen Holzaltar, einer Silbermann-Orgel und geschnitzten Heiligenfiguren im Chor ausgestattet. Die Marienkapelle beherbergt eine spätgotische Holzmadonna.

 

Großer Gebäudekomplex zwischen Lange Straße, nördlicher und östlicher Stadtmauer sowie Schuttergasse. Die Anlage ist im Denkmalbuch B.-W. eingetragen. Das Kloster und ein Teil der Schulen sind im ehemaligen, im Jahr 1280 als vierte deutsche Niederlassung gegründeten Franziskanerkloster untergebracht. An die barocke Kirche, ein Werk der Vorarlberger Bauschule, schließt der Kreuzgang mit den Klostergebäuden an. 1910/11 entstand an der Lange Straße ein Erweiterungsbau mit Schulräumen.

 

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Schule als Mädchengymnasium wieder geöffnet und 1969/70 mit einem Internatsgebäude erweitert. 1973 konnte ein modernes Schulgebäude mit naturwissenschaftlichen Räumen, Turnhalle und Schwimmbad eingeweiht werden.

 

Das Klostergebäude hatte bei der Zerstörung der Stadt 1689 schwere Schäden davongetragen. Der gotische Chor brannte bis auf die Außenmauern aus, das Kirchenschiff lag in Trümmern. Die Patres bauten das Kloster wieder auf und führten den 1660 begonnenen Schulbetrieb fort. Nachdem sich die Schule 1803 infolge der Säkularisation in ein staatliches Gymnasium umgewandelt hatte, mussten die Mönche 1808 das Kloster verlassen. Die Schule zog 1822 in das Kapuziner-Kloster um.

 

Seit 1823 führen hier Augustiner Chorfrauen CBMV (Congregatio Beatae Mariae Virginis) die Mädchenschulen. Heute sind dies ein Gymnasium und eine Realschule mit insgesamt 1000 Schülerinnen. Ein Hort ist der Einrichtung angeschlossen. Ab 2001 hat die Schulstiftung der Erzdiözese Freiburg die Leitung der Klosterschulen übernommen.

 

Der Orden der Augustiner Chorfrauen wurde 1597 in Mattaincourt/Vogesen vom hl. Pierre Fourier -einem Augustiner Chorherr- und der sel. Alix le Clerc gegründet. Seine Hauptaufgaben sind das Chorgebet und die Erziehung der weiblichen Jugend, zudem sich die Schwestern durch ein viertes Gelübde verpflichten. 1783 stiftete die letzte katholische Markgräfin Maria Victoria von Baden-Baden aus den damals in Breisach und Rastatt bestehenden Konventen dieses Ordens das Weibliche Lehr- und Erziehungsinstitut, das bis zu seiner Verlegung nach Offenburg in Ottersweier bei Bühl in der ehemaligen Jesuitenresidenz beheimatet war.

 

Das spätgotische Hauptportal der Klosterkirche ist auf beiden Seiten von barocken Sandsteinfiguren des 18. Jahrhunderts, einer Madonna und dem hl. Nepomuk, eingerahmt.

Die Kirche ist einschiffig mit zwei Emporen, an die ohne Querschiff der lange Chor mit seinen hohen spitzbogigen Fenstern anschließt. Sie entspricht mit dem weiten, früher wohl flach gelegten Langhaus noch heute der alten Predigerkirche der Franziskaner.

 

Der bis zum Gewölbe emporragende Hochaltar mit gewundenen Säulen, Rocailleschnitzereien, einem Gemälde der Himmelfahrt Mariens und Heiligenstatuen stammt aus dem Anfang des 18. Jahrhunderts. Ähnlich im Aufbau sind die zwei Seitenaltäre mit Statuen von je drei Heiligen. Aus der gleichen Zeit wie sie stammen Kanzel und Beichtstühle mit Rocailleschnitzereien, die man auch an der Holzskulptur des Ecce Homo bewundern kann.

 

Das klassizistische Chorgestühl stammt aus dem Jahre 1895. 1779 baute Johann Andreas Silbermann aus Straßburg die Orgel der Kirche. 1895/96 durch den Oppenauer Orgelbauer Heinrich Koulen umgearbeitet und 1968 durch die Firma Klais in Bonn renoviert, wird sie heute gern für Kirchenkonzerte in Anspruch genommen.

 

Die Renovierung des Kircheninnern erfolgte 1964/65 (Kunstwerkstatt Franz Baumann, Lautenbach, beraten von Konservator Hermann Ginter). Dabei erhielt das Gotteshaus einen neuen Bodenbelag, eine Bodenheizungsanlage und neues Gestühl.

 

Eine weitere Renovierung der Kloster- und Schulgebäude erfolgte ab 1990 -1998 durch das Architekturbüro Haug/Achern und der Beratung von Kunsthistoriker Dr. phil. Hans Jakob Wörner.

Hinter dem Kreuzgang an der Nordseite der Kirche schließt die Marienkapelle an, die beim Stadtbrand von 1689 unversehrt blieb und damit den ältesten Gebäudeteil der Stadt Offenburg darstellt. Der dreischiffige, kleine Hallenbau aus rotem Sandstein besteht aus dreimal drei, von vier schlanken Säulen getragenen Kreuzrippengewölben. Das aus dem Achteck geschlossenen Chörlein, das sich in hohem Spitzbogen gegen das Mittelschiff öffnet, besitzt drei schlanke spitzbogige Fenster. Der Meister der holzgeschnitzten spätgotischen Madonna aus dem 16. Jahrhundert ist unbekannt.

 

Im Kreuzgang befindet sich eine Holztür, die beim Brand von 1689 von der Innenausstattung des Klosters übrigblieb und die später zur Erinnerung das Chronodistichon (ein Chronogramm, dessen Text dem Versmaß des Distichons folgt) erhielt. Die hervorgehobenen Buchstaben ergeben die römischen Zahlen 1689.

 

"Marte arDente CLaVstro eXVsto tVta serVata fVI et fortIs perstIitI"

 

Ich alte Tür habe im Kriegsfeuer von 1689, als das Franziskanerkloster niedergebrannt wurde, tapfer in den Flammen durchgehalten und bin als einzige gerettet worden.

Ein Denkmal gibt Auskunft über die Stiftung des Instituts durch die Markgräfin Maria Victoria von Baden-Baden, aus deren Erbe auch die Einrichtung und Bilder der österreichischen Kaiserfamilie im Sprechzimmer stammen.

 

Zwischen dem Kloster "Unserer Lieben Frau" und der Stadthalle liegt das Hauptgebäude der 1956-1958 erbauten Offenburger Bezirkssparkasse, seit 1839 als "Städtische Sparkasse" selbständig, 1935 in eine Bezirkssparkasse umgewandelt, und die erste, im Dezember 1978 der Öffentlichkeit übergebene städtische Tiefgarage mit 338 Parkplätzen. Bei ihrem Bau verschwand das an die Stadthalle unmittelbar angrenzende, 1936 erbaute Kino "Park-Lichtspiele".