Geschichte I

 Quelle:  Stadt Offenburg
Merkur-Statuette
Die Anfänge der Stadt Offenburg

 

Die Geschichte der Stadt Offenburg beginnt lange vor der Stadtgründung. Schon Römer und Alemannen hinterließen ihre Spuren auf dem späteren Stadtgebiet.

Der Ursprung der Stadt liegt wahrscheinlich in einer Marktsiedlung, die bereits vor 1100 entlang der heutigen "Lange Straße" entstanden ist. Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1148. In ihrem Wappen führt die Stadt eine offene Burg; das älteste Siegel stammt aus dem Jahre 1284.

 

Offenburg wird Reichsstadt

 Quelle:  Christoph Lötsch
1240 erhob Friedrich II. Offenburg zur Reichsstadt. Wölflin von Hagenau, der den staufischen Reichsbesitz links und rechts des Oberrheins durch den Bau von Burgen und festen Städten aufrüstete, veranlasste die Errichtung der Stadtbefestigung, von der heute noch der innere Mauerring, der mit Wehr­- und Wachttürmen versehen war, teilweise erhalten ist. Auf ihnen Wache zu halten war Bürgerpflicht.

 

 

 Quelle:  Christoph Lötsch
An der Spitze der Stadt standen der Bürgermeister und zwölf Ratsherren, welche gleichzeitig Richter der Stadt waren und die niedere und hohe Gerichtsbarkeit ausübten. Um 1300 wurde der "Alte Rat" durch den "Jungen Rat" ergänzt, der aus zwölf Mitgliedern der Zünfte bestand. Das Aufgabengebiet des "Jungen Rates" war die Verwaltung. Die Bevölkerung Offenburgs hatte ursprünglich einen überwiegend bürgerlichen Charakter, da sie hauptsächlich aus alteingesessenen Familien und vom Lande zugezogenen Adligen bestand. In immer größerer Zahl zogen auch Handwerker zu. Der Rat wies den Zünften besondere Wohnquartiere zu, woran viele Straßennamen noch heute erinnern (Gerberstraße, Metzgerstraße, Schlossergasse...). Im 16. Jahrhundert begannen Bürger der Stadt in bescheidenem Umfang auch Ackerbau, Weinbau und Viehzucht zu betreiben. Die Stadt erhielt dadurch ein bürgerlich-­bäuerliches Gesicht.

 Quelle:  Hans-Jürgen Heinzmann
Um die Mitte des 13. Jahrhunderts siedelten sich in Offenburg Juden an. Sie wurden durch die tolerante Politik Friedrich II. dazu ermuntert und bildeten bald "eine kleine blühende Gemeinde", die auf dem ihr zugewiesenen Areal nicht nur ihre Wohnhäuser und die "Judenschul" (Synagoge) errichtete: die jüdische Gemeinde baute auch eine unterirdische Mikwe (jüdisches Ritualbad), die heute noch besichtigt werden kann und als eines der ältesten jüdischen Baudenkmale in Südbaden eine besondere Sehenswürdigkeit der Stadt ist. Die erste jüdische Gemeinde wurde in einem Pogrom 1349 vernichtet. Vorangegangen war eine Anschuldigung wegen "Brunnenvergiftung", die nachweislich falsch war, wie die Stadtväter anschließend selbst zugaben.

 

Die bauliche Gestaltung (Entwicklung) der Stadt

Die Marktsiedlung bestand hauptsächlich innerhalb des Straßendreiecks Lange Straße, Klosterstraße und Kesselstraße. Nach der Erhebung zur Reichsstadt bildete sich ein zweiter Siedlungskern entlang der Hauptstraße und westlich davon. Die wichtigsten städtischen Gebäude wurden an und auf der Hauptstraße errichtet.
Die Heilig-­Kreuz­-Kirche, über viele Jahrhunderte die einzige Pfarrkirche der Stadt, erhielt ihren Platz im Nordwesten des Stadtgebietes. Durch drei Stadttore konnte man Offenburg betreten: durch das Kinzigtor am südlichen Ende der Hauptstraße, durch das Neu­- oder Straßburgertor am nördlichen Ende der Hauptstraße und durch das Schwabenhausertor im Südosten der Lange Straße.

 

Reformation

Anfang des 16. Jahrhunderts nahm die Unzufriedenheit der Bevölkerung über die kirchlichen Würdenträger stetig zu. Deshalb sorgte der Offenburger Magistrat selbst für Abhilfe und setzte 1525 zwei Prediger ein, die dem Kirchherrn nicht untergeordnet waren. Aufgrund dieser Zustände konnte sich Luthers Lehre wohl besonders schnell verbreiten.

 Quelle:  pixabay.com
Auf dem Augsburger Reichstag im Jahre 1530 traten die Offenburger Gesandten zusammen mit den Straßburgern für die neue Lehre ein. Gleichzeitig versprachen sie aber auch dem (katholischen) Kaiser Gehorsam. Ab 1531 vollzog sich im Offenburger Rat ein deutlicher Umschwung: während sich die Straßburger immer deutlicher zum neuen Glauben bekannten, kehrten die Offenburger umso deutlicher zum alten Glauben zurück, denn den Bürgern war daran gelegen, ihren Status als freie Reichsstädter zu erhalten. 1560 trat eine Kirchenordnung in Kraft, die von "Schultheiß, Meister und Rat der Stadt Offenburg" erlassen worden war, um die kirchliche Einheit wiederherzustellen. 1591 beschloss der Rat einstimmig, nur dem das Bürgerrecht zu verleihen, der sich zur "wahren römischen Kirche" bekannte. Dieser Ratsbeschluss wurde erst im 18. Jahrhundert aufgehoben.

 

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