Geschichte VI

 Quelle:  Stadt Offenburg

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Nach dem Zweiten Weltkrieg

Die Schrecken des Dritten Reiches und des ZweitenWeltkriegs wirkten noch lange nach. Durch den Zuzug vieler Heimatvertriebener und die Stationierung der französischen Besatzungssoldaten und ihrer Familien musste dringend Wohnraum geschaffen werden: Es entstanden neue Wohngebiete, z.B. Albersbösch (Baubeginn 1952) und Uffhofen (ab 1963), das städtische Krankenhaus wurde erweitert und das Josefskrankenhaus neu erbaut; neue Schulen und Straßen entstanden. 1951/53 leitete der Neubau der Druckerei Franz Burda eine neue Phase der Ansiedlung großer Industriebetriebe ein.

1956 wurde Offenburg Große Kreisstadt; 1960 erhielt die Stadt Anschluss an die Autobahn Hamburg - Basel.

 

Offenburg ab 1971

Die erste Hälfte der siebziger Jahre war bestimmt durch die Eingliederung von elf ehemals selbständigen Gemeinden. Durch diese bedeutende Entwicklung wuchs die Offenburger Bevölkerung von rund 33000 auf über 50000 Einwohner. Der Zusammenschluss mit den Teilorten wurde durch das "Offenburger Modell" begünstigt, das den Ortsteilen weitreichende Rechte in einer Ortsteilverfassung einräumte.

 

 Quelle:  Michael Bode

 

Die Gesamtstadt erhielt durch den Zusammenschluss wichtige Gemarkungsflächen, deren Nutzung die wirtschaftliche Entwicklung Offenburgs nachhaltig begünstigte. War die Stadt bisher insbesondere durch den Medienkonzern Burda geprägt, gewannen nun auch andere Unternehmen entscheidend an Bedeutung. Um nur einige zu nennen: tesa-Werke Offenburg, EDEKA-Südwest,die renommierten Großküchenausstatter Hobart und Meiko, Markant, Printus, hansgrohe als Hersteller von sanitärtechnischen Produkten sowie den bekannten Süßwarenspezialisten VIVIL. Allein die Tatsache, dass Offenburg heute bei 58000 Einwohnern über 40000 Arbeitsplätze bietet, macht die regionale Bedeutung des Wirtschaftsstandorts Offenburg klar erkennbar. Weit über die Region hinaus hat Offenburg auch als Messestadt einen Namen. Mit 500 000 Besuchern pro Jahr zählt die Messe am Kinzigdamm zu den großen Ausstellungsplätzen in Baden­-Württemberg.

 Quelle:  Hans-Jürgern Heinzmann
Auch als Hochschulstandort hat sich Offenburg einen Namen gemacht. Die Vorgängerinstitution der heutigen Hochschule Offenburg, die Staatliche Ingenieurschule, mit den Studiengängen Maschinenbau und Elektrotechnik wurde im Jahre 1964 gegründet. 1971 wurde sie zur Fachhochschule aufgewertet, das Lehrangebot wurde um wirtschaftliche Studiengänge erweitert. 1996 entstand die vierte Fakultät Medien und Informationswesen. 2000 wurde die Graduate School gegründet, die bis heute vier internationale Studiengänge betreut und koordiniert. Im Rahmen der Umstellung auf das Bachelor-/Master-Studiensystem in Bologna-Prozess wurde die Fachhochschule Anfang 2005 zur Hochschule Offenburg umbenannt.  Am Campus Offenburg sind die Fakultäten Betriebswirtschaft und Wirtschaftsingenieurwesen (B+W), Elektrotechnik, Medizintechnik und Informatik (EMI), Maschinenbau und Verfahrenstechnik (M+V), sowie Medien und Informationswesen (M+I) ansässig. Die  Fakultät Betriebswirtschaft und Wirtschaftsingenieurwesen (B+W) ist im benachbarten Genegenbach beheimatet. Derzeit sind etwa 4.500 Studierende an der Hochschule eingeschrieben.

1996 wurde Offenburg durch Beschluss der Landesregierung zum jüngsten Oberzentrum Baden-­Württembergs ernannt, auch um als Partner der benachbarten Europastadt Straßburg bestehen zu können. Der Burda­-Konzern hat 1998 mit der Grundsteinlegung zu seinem Medienzentrum ebenfalls signalisiert, dass er in Offenburg einen innovativen Standort mit Zukunft sieht.

Neben der Gewerbeentwicklung stand in den vergangenen Jahrzehnten die Sanierung und Entwicklung der Innenstadt zu einem attraktiven Einkaufszentrum und zum Mittelpunkt zahlreicher kultureller Veranstaltungen und Feste im Vordergrund. Daneben beherrschten andere Themen das kommunale Geschehen: die Verkehrsberuhigung mit der Ausweitung der Fußgängerzone und dem Bau von Parkhäusern, die Förderung des innenstadtnahen Wohnens in der Kinzigvorstadt, die Erhaltung denkmalgeschützter Bausubstanz sowie die Ausweisung neuer Baugebiete.

1990 begann Offenburg mit der Realisierung des neuen Stadtteils Kreuzschlag im Westen der Stadt. Heute leben dort über 2 000 Menschen in vorbildlich geplanten Wohnungen und Reihenhäusern, angebunden an das öffentliche Personennahverkehrsnetz und integriert in die sozialen und kulturellen Angebote der Stadt.

 Quelle:  Christoph Lötsch
Eine weitere bedeutende Entwicklungschance bot sich der Stadt nach dem Abzug der französischen Streitkräfte. 1991 begann die Konversion, die Umnutzung ehemals militärisch genutzter Flächen und Gebäude zugunsten ziviler Zwecke. Ein herausragendes Beispiel hierfür ist die Kaserne an der Weingartenstraße. 1891 als kaiserliche Kaserne errichtet, wurden die denkmalgeschützten Gebäude restauriert und zum eindrucksvollen "Kulturforum Offenburg" umgestaltet, das unter anderem der Stadtbibliothek, der Musik­-, Kunst-­ und der Volkshochschule neuen Raum bietet. Außerdem wurde auf dem früheren Kasernenareal attraktiver Wohnraum geschaffen. Wo einst französische Panzer exerzierten, lädt heute der neu angelegte "Platz der Verfassungsfreunde" zur Begegnung und Erholung ein.

Offenburg entwickelt sich ständig weiter. In den letzten Jahren wurden tausende Wohnungen geschaffen, die Verkehrsinfrastruktur verbessert und 2017 das Freizeitbad Stegermatt fertiggestellt. Die Kosten von knapp 40 Millionen Euro konnte die Stadt aus dem seit einigen Jahren schuldenfreien Haushalt bestreiten. Im Bau ist das innerstädtische Einkaufsquartier Rée Carré, benannt nach Gustav Rée, dem Bürgermeister und Retter der Stadt während der Revolution 1848.

Durch die Entwicklung in den letzten Jahrzehnten und seine günstige geographische Lage am Oberrhein ist Offenburg für die Herausforderungen, die ein zusammenwachsendes Europa mit sich bringt, gut gerüstet. Seit vielen Jahren bemüht sich die Stadt um gute freundschaftliche Beziehungen zu anderen europäischen Städten. Offenburg ist durch Städtepartnerschaften verbunden mit Lons­-le­-Saunier in Frankreich, mit Weiz in Österreich, mit Borehamwood in England, mit Altenburg in Thüringen, mit Olsztyn (Allenstein) in Polen und Pietra Ligure in Italien.