Kasernen-Areal

 Quelle:  Stadt Offenburg

Quelle: Stadt Offenburg

Nach der Niederschlagung der Badischen Revolution im Jahr 1849 herrschte in Offenburg ein neuer Zeitgeist, der einherging mit Aufschwung, wirtschaftlicher Liberalität und neuem Nationalbewusstsein. So war es nicht verwunderlich, dass in der Stadt der Wunsch aufkam, eine Garnison zu erhalten. Die kaiserlichen Soldaten des 2. Bataillons des badischen Landwehr-Regiments hielten im alten Krankenhaus Einzug.

 

1898 wurde die neue Kaserne an der Weingartenstraße gebaut. Der Offenburger Architekt und Baumeister Karl Joseph Wacker leitete das Projekt. Bereits 1908 erfolgte eine bauliche Erweiterung nach Süden. Nach dem Ersten Weltkrieg entstanden auf dem Kasernenareal an der Weingartenstraße Notwohnungen, Gewerbebetriebe und Behörden. Die Zuckerwarenfabrik August Müller & Co., später Vivil, siedelte sich an, die Ortenauer Milchzentrale, eine Automobil- und Karosseriebaufabrik, eine Schrauben- und Eisenwarenfabrik, ein Galvanisierungsbetrieb sowie eine Lackiererei verliehen dem Kasernenareal wirtschaftliche Bedeutung. Bereits ein Jahr nach der Machtübernahme 1933 beanspruchten die Nationalsozialisten diese Kaserne für ihre Zwecke: Soldaten zogen ein, über der Kaserne wehten nun die Hakenkreuzfahnen.

 

Während der Kriegsjahre diente das Gelände als Standort für die Genesungskompanien des Bataillons. Es beherbergte ein Reservelazarett für Verwundete, darunter auch französische Kollaborateure, die sich nach Frankreichs militärischer Niederlage der Wehrmacht angeschlossen hatten. Das Ende des Krieges erlebte Offenburg am 15. April 1945 ohne große Kriegshandlungen.

 

Nach dem Kriegsende zogen französische Truppen in die Kaserne ein. Sie schafften in der Folgezeit Quartiere für polnische und russische Zwangsarbeiter, die auf die Rückführung in ihre Heimatländer vorbereitet werden sollten. Am 4. Mai 1945 detonierten in drei Gebäuden Minen mit Zeitzündern, die beim Abzug der deutschen Truppen eingemauert worden waren. Es waren 114 Tote und viele Schwerverletzte zu beklagen. In der Folge kam es im Stadtgebiet zu Racheakten, denen auch zwei Offenburger Zivilisten zum Opfer fielen. 1955 wurde aus den Besatzern militärische Verbündete im Rahmen des westlichen Verteidigungssystems.

 

Offenburg hoffte nun auf die Zuteilung von Truppenteilen der neu geschaffenen Bundeswehr und stellte einen entsprechenden Antrag. Dieser wurde abgelehnt. Vielmehr kamen weiterhin französische Truppen nach Offenburg.

 

Erst 1989, nachdem in der Sowjetunion die Perestroika Fuß fasste und Michail Gorbatschow das Land zum Westen zu öffnen versuchte, wurde auch in Offenburg erstmals die Frage formuliert: Wie lange noch bleibt Offenburg eine französische Garnison?

 

Im Herbst 1990 kündigte der damalige französische Staatspräsident Francois Mitterand den Abzug des Militärs an. Am 31. August 1992 wurde offiziell die Auflösung der französischen Garnison verkündet, die Trikolore eingerollt. Für 400 deutsche und französische Zivilangestellte bedeutete dies den Verlust ihres Arbeitsplatzes.

 

Mit der Auflösung der französischen Garnison verließen in den Jahren 1991 bis 1993 rund 4000 Soldaten mit ihren Familien die Stadt. Damit wurden rund 300 Hektar Liegenschaften frei. Darunter befanden sich 560 Wohnungen, drei Kasernengelände sowie Schießanlagen, Truppenübungsplatz und Munitionslager.

 

Die Stadt Offenburg stand vor einer ihrer größten städtebaulichen Herausforderungen. Gemeinderat und Verwaltung beschlossen, in der ehemaligen Ihlenfeldkaserne kulturelle Einrichtungen und freie Gruppen aus der Kulturszene unterzubringen. Überdies sollte es oberstes Gebot sein, die historische Bausubstanz in ihrer authentischen Gestalt zu bewahren. Wo einst Kommandos ertönten, sollten Bücher,  Musik und Kunst den Platz einnehmen. Eine Kaserne, deren Mittelpunkt der Exerzierplatz ist, sollte kultureller Treffpunkt der Stadt werden.

 

Das Freiwerden der Militärflächen ermöglichte eine städtebauliche Neubestimmung. Dazu gehörte es, mehrere Kulturinstitutionen in einem Verbund zusammenzufassen. Diese Idee war schon Anfang der 1980er Jahre in Offenburg vorgetragen worden. Nun konnte sie in Gestalt eines Kulturforums realisiert werden. Mit dem 15 Hektar großen Gelände der Ihlenfeldkaserne, nur 700 Meter entfernt von der Innenstadt gelegen, bot sich die Chance für ein solches Zentrum.

 

Zwei große Plätze eröffneten zudem die Möglichkeit weiterer kultureller Entfaltung. Die Planer hatten demnach folgende Aufgaben zu lösen:

  • die Umgestaltung des Militärgeländes mit städtebaulich markanten Gebäuden,
  • die Errichtung des multifunktionalen Kulturforums sowie
  • die Aufwertung und Anbindung der Oststadt an die Innenstadt.