Kultur-Areal

 Quelle:  Stadt Offenburg

Begonnen wurde auf dem ehemaligen Ihlenfeldareal. Zwei Erschließungsabschnitte boten sich an: Der nördliche Bereich mit seinen weitgehend unter Denkmalschutz stehenden Gebäuden aus der Entstehungszeit um 1900 und der südliche Bereich für familiengerechte Wohnungen beziehungsweise für die Entwicklung eines hochwertigen und stadtnahen Wohngebiets.

 

Zunächst war das Kulturforum an der Reihe. Es stellte eine große städtebauliche Herausforderung dar mit einer Größenordnung von rund 23 Millionen Euro. Auf 13.000 Quadratmetern entstanden in einem ersten Bauabschnitt Stadtbibiliothek, Musikschule, Kunstschule, Schulpraktisches Seminar, Verbraucherzentrale und Kultur in der Kaserne (KiK). Am 8. November 1997 wurde Eröffnung gefeiert.

 

Zur Umsetzung des Bauprojekts wählte die Stadt eine außergewöhnliche Finanzierungsform. Entwickelt wurde ein auf das Kulturforum zugeschnittenes Investorenmodell in Form eines geschlossenen Immobilienfonds. Die Stadt räumte der Fondsgesellschaft ein Erbbaurecht über 30 Jahre ein und schließt mit ihr einen langfristigen Mietvertrag. Außerdem erhält die Stadt eine Option zum Rückerwerb der Gebäude.

 

Der zweite Bauabschnitt wurde über die Städtebauförderung unterstützt. Gelungen ist ein architektonisches Konzept, das auch die Plätze mit in die Kulturarbeit einbezieht. Der "Platz der Verfassungsfreunde" erhielt seine ganz besondere Aufmerksamkeit durch die 20 Meter hohe Plastik des amerikanischen Künstlers Jonathan Borofsky "Freiheit - Männlich/Weiblich", ein Geschenk der Offenburger Ehrenbürgerin Aenne Burda an die Stadt.

 

Wertvoll ergänzt wurde das Kulturareal im Oktober 2000 mit der Einweihung der Reithalle als Theater- und Konzerthaus im Charakter einer Werkstattbühne.

 

Über 200.000 Personen kommen jährlich in die Einrichtungen des Kulturforums. "Konversion der erfreulichsten Art" vollzieht sich hier in Musikschule, Stadtbibliothek, Volkshochschule, Kunstschule, KiK, in der Städtischen Galerie, in den Räumen des Kunstvereins Offenburg/Mittelbaden oder in der Reithalle.

 

Bereits 1994 eroberten die ersten Kulturgruppen - noch in provisorischen Räumen untergebracht - das Kulturforum. Der Zusammenschluss dieser Gruppen zu einem Trägerverein Kultur in der Kaserne, KiK, erwies sich als Glücksfall: die "Urzelle" kultureller Aktivitäten außerhalb des städtischen Angebots organisiert bemerkenswerte Ausstellungen und Kulturveranstaltungen. Beeindruckend demonstriert auch der Kunstverein Offenburg/Mittelbaden, was ein ansprechendes Raumangebot in guter Umgebung auslösen kann. Er arrangiert weit über Offenburg ausstrahlende Ausstellungen. Außerdem bietet sich in Zusammenarbeit mit dem Künstlerkreis Ortenau e.V. den heimischen Künstlern ein bedeutendes Format.

 

In der Städtischen Galerie und im Kunstverein Offenburg/Mittelbaden wird zeitgenössische Kunst präsentiert.

Auch die Kinder und Jugendlichen zogen in die Räume der Kunstschule ein und erzielten mit dem vielfältigen Programm eine große Außenwirkung. Als die Kunstschule die neuen Räume belegt, blickt man bereits auf eine zehnjährige erfolgreiche Arbeit intensiver außerschulischer Kunst- und Kulturpädagogik.

 

1999 wurde die Jugendkunstschule für alle Altersgruppen geöffnet und erlebte ihre eigene Konversion zur Kunstschule. Heute werden in den Kursen und fortlaufenden Bereichen 470 Schülerinnen und Schüler unterrichtet. Das Vorstudium mit insgesamt 16 Studienplätzen dient der beruflichen Orientierung im Bereich der Künste. Zu Projekten und Veranstaltungen in der Kunstschule kommen jährlich Tausende von Interessierten.

 

Zu einem Ort der Begegnung ist die Stadtbibliothek gewachsen. Früher auf drei Standorte verteilt, hat gerade diese Institution sehr von der Übersiedlung in das Kulturforum profitiert. In hellen Räumen wird das Angebot einer modernen Bibliothek präsentiert. Insgesamt können über 105 000 Einheiten (Bücher, Zeitschriften, Videokassetten, Hörkassetten, Spiele und CD-Roms) ausgeliehen werden. Überall im Gebäude gibt es Plätze zum Lesen, Spielen und Arbeiten.

 

Wie sehr diese Kulturstätten mit Leben erfüllt sind, ist schon von außen erfahrbar. Wer über den "Platz der Verfassungsfreunde" spaziert, hört die Musik, begegnet Menschen aller Altersgruppen und entdeckt die Begeisterung in den Gesichtern der Nutzerinnen und Nutzer dieser Einrichtungen.

 

Die Musikschule zählt heute 4.200 Schülerinnen und Schüler. Sie werden von etwa 120 Lehrkräften unterrichtet. Die Schule bietet ein außergewöhnliches Fächerangebot. Beliebt ist das Auftrittspodium im KiK, wo sich Gruppen aus der Musikschule ein Stelldichein geben. Die Philharmonie am Forum oder das Jugendsinfonieorchester, beide mit der Musikschule verbunden, unterstreichen die Ziele dieser Institution. Musik braucht Raum, Kinder und Jugendliche benötigen Platz: Beides wird hier geboten.

 

Kunst spiegelt sich auch in der Architektur des Gebäudekomplexes entlang der Weingartenstraße wider. Die künftige kulturelle Nutzung eröffnete dem Architekten die Möglichkeit, mit zeitgemäßen Materialien wie Glas, Stahl und Beton eine kontrastreiche Symbiose zwischen Tradition und Moderne herzustellen. Die transparenten Verbindungsgebäude sorgen für spannende Momente zwischen Alt und Neu, zwischen gestern, heute und morgen.

 

Als die neue Mitte des Kulturforums hat sich vom Tag der Einweihung am 21. Oktober 2000 an die Reithalle etabliert. Sie ist ein vielfrequentierter Veranstaltungsort geworden: multifunktional nutzbar, sei es als Tagungsstätte, Kino, Ballsaal, Theater oder Konzerthalle. Die Reithalle findet breite Zustimmung in der Bevölkerung, sowohl beim jungen Hip-Hop-Fan als auch beim Klassikfreund. Das Gebäude verfügt über zwei Säle, weil auch das Foyer für kleinere Anlässe mit etwa 100 Personen nutzbar ist. Die Maximalausnutzung liegt bei 900 Stehplätzen und 500 Sitzplätzen.

 

Passend zum Konzept einer Werkstattbühne wurde das Mauerwerk der ehemaligen Exerzierhalle freigelegt und ist nun sichtbar. Hochwertig ist auch der Schallschutz dieser Halle in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Wohnvierteln. So sind die Fenster dreifach verglast. In die historische Fensterfront wurde eine neue Verglasung eingebracht.