Ölberg

 Quelle:  Stadt Offenburg

Großer Nischenbau mit einem Netzrippengewölbe. Er trägt die Jahreszahl 1524. Im Vordergrund sieht man die drei Jünger, rechts Petrus, in der Mitte Johannes, links Jacobus, von denen Petrus erwacht ist und in beginnendem Zorn mit der rechten Hand am Boden nach dem Schwert tastet. Hinter ihnen kniet der betende Heiland, den Blick nach oben auf den Engel gerichtet, der mit dem Kelch erscheint (Lukas 22, 41-43). Der Garten ist durch einen Bretterzaun abgeschlossen, der sich links vom Beschauer in eine Tür öffnet. Durch sie dringen die Häscher ein, ein Teil naht hinter dem Zaun, voran Judas mit seinem Geldbeutel. Die Häscher sind in der damaligen Zeittracht (16. Jahrhundert) gekleidet und in ihrer abschreckenden Häßlichkeit und Gewöhnlichkeit scharf charakterisierte Gestalten. Hinter ihnen erheben sich in Flachrelief Berge, besetzt mit Bäumen und Steinbänken. Im Hintergrund nahen noch zwei verspätete Häscher aus den Toren Jerusalems, das einer deutschen Stadt ähnelt. Hier geht das Relief in Malerei über, weiterhin in ein Landschaftsgemälde mit Berg und Fluß. Entsprechend war der ganze Ölberg bemalt.

Das Offenburger Werk ist eine seitenverkehrte und verkleinerte Kopie der Darstellung im Straßburger Münster. Dies lässt den Schluss zu, dass der Offenburger Ölberg aus einer Straßburger Werkstatt stammt. Dabei fällt auf, dass Christus und vielleicht noch der Engel in der künstlerischen Ausführung hervortreten, während die Jünger und die Häscher in der Durcharbeitung etwas roher und ungeschickter erscheinen. Möglicherweise hat der Meister nur den Erlöser gearbeitet, das andere seine Gehilfen.

1977 haben der Freiburger Restaurator Emil Josef Geschöll jun. und der Offenburger Kunstmaler Konrad Stump das Denkmal restauriert. Eine weitere Restaurierung erfolgte 2007.

Das spitzbögige Portal, das auf der Rückseite des Ölbergs eingemauert war, bildet heute in der Heilig-Kreuz-Kirche den Durchgang zwischen Chor und St.-Josefs-Chörlein.

Beim Ölberg befand sich lange Zeit eine etwa 1,30 Meter breite Einstiegsöffnung zu einem unterirdischen Gang, die bei der Instandsetzung des gesamten Platzes 1976 zugemauert und zugeschüttet wurde. Sie soll einer von mehreren Eingängen zu einem weit verzweigten Gang- und Höhlensystem unter der Erde gewesen sein. Alte Offenburger geben an, dass es möglich war, ca. 200 Meter weit in den Gang einzudringen, bis an eine Stelle, wo er verschüttet oder aufgefüllt war.

Für das Vorhandensein solcher Gänge spricht die Tatsache, dass man im Verlauf von Neu- oder Umbauten immer wieder auf Mauerwerk, Keller oder Schächte gestoßen ist, und zwar außerhalb der Hausgrenzen der späteren Wohnhäuser. So befanden sich einst unter dem Kriegerdenkmal und unter der "Allee" große Kellergewölbe, so stieß man beim Durchbruch der Wasserstraße durch die Mauer auf einen unterirdischen Einstieg und so fand man bei Kanalgrabungen in der Steinstraße mit Platten ausgelegte Gänge. In keinem Fall hielten Interessierte die begonnenen Arbeiten an, um die Gemäuer näher zu untersuchen und Aufzeichnungen anzufertigen. Auch als man im Jahr 1976 bei Grabungen vor dem Sportgeschäft Olli Grimm, Hauptstraße 60, auf einen sauber gemauerten unterirdischen Gang stieß, nahm niemand die Möglichkeit wahr, den Gang innerhalb seiner begehbaren Länge zu untersuchen. Nur ein benachbarter Bürger machte von ihm einige Aufnahmen.