Ratsprotokoll

Ratsprotokoll vom 14. Mai 1697
 

"Da anno 1688 die gesamte französische Armee unter dem Duc de Duras die mit häufigen Lebensmitteln angefüllte Stadt Offenburg mit aller Verherung zu plündern anfing, welche Plünderungen und Beraubungen 20 volle Tage gewährt hat, haben die armen Bürger nicht wissend, was in dergleichen grausamen Exekution zu tun, ganz konsterniert ihr einzig Vertrauen und Zuflucht zu den Kapuzinern genommen.

 

Haben all ihr bestes Vermögen dahin gerettet. Der Convent hat nebst dem vornehmsten Kirchenschatz als Kelch, Meßgewand, Pretiosen alles in Verwahrung genommen. Da Besorgnis war, dass diese unsere ganz ausgeplünderte Stadt verbrannt werden dürfte und die Exzesse des Feindes zunahmen, so haben die Kapuziner in christmitleidender Vorsorge und getaner fußfälligst, demütigster Bitte beim Duc de Duras die große Gnade dahin erhalten, dass die anwesenden Bürger und Frauen zu retirieren (sich zurückzuziehen) die Lizenz hätten. Dabei haben die Patres Kapuziner die armen verschmachteten und in Todesangst gewesenen Frauen, Töchter und Kinder in großer Anzahl samt demjenigen Besten, was sie mittragen konnten, außer der Stadt und durch die ringsum kämpfende französische Armee mit Daransetzung ihrer selbst eigenen Person sicher durchgeführt und in salvum (Sicherheit) gebracht. Nach vollbrachtem schrecklichem Brand, der mit keinem ersinnlichen Bitten noch Ansuchen der Herrn Patres Kapuziner konnte zurückgetrieben werden, ist dieses noch einzig noch stehende Kloster den halb disperanten Bürgern, so Mann- als Weibsperson, Reichen und Armen, als ein wahrhaftes Hospizium einzutreten, treuherzig und freiwillig eröffnet worden. Alle, sowohl Gesunde als Kranke sind hospitaler (gastfreundlich) auf und angenommen worden, ja sogar mit Speis und Trank nach Vermögen versehen und Tag und Nacht unermüdlich und unentgeltlich bedient worden."