Rundgang zu den Stätten der Badischen Revolution I ...

 Quelle:  Stadt Offenburg

Offenburg - Schauplatz der Badischen Revolution

 

Es gibt nicht viele Städte in Deutschland von der Größe Offenburgs, die von sich sagen können, sie hätten auch deutsche Geschichte geschrieben. Für unsere Stadt in der Ortenau trifft dies zu: ab 1847 schaut man in deutschen Landen drei Jahre lang intensiv auf Offenburg. "Offenburg, die weltberühmte Demagogenstadt", "Offenburg, die heimliche Hauptstadt der Revolution", solche Zitate finden sich zur Rolle der Stadt in der badischen Volksbewegung und Revolution. Warum diese Aussagen? Treffen sie überhaupt zu?

 

Offenburg ist in jenen Jahren tatsächlich ein Zentrum des Aufstandes. Man kann sagen, dass die Stadt nicht nur einer der Ausgangspunkte revolutionären Geschehens in Baden war, sondern in dessen Mittelpunkt bis ins Jahr 1849 hinein geblieben ist. Dreimal ist die Stadt zwischen 1847 und 1849 Schauplatz revolutionärer Ereignisse.

 

Offenburg, 12. September 1847

 

Die oppositionellen badischen Liberalen versammeln sich unter der Bezeichnung "Entschiedene Freunde der Verfassung" im Gasthaus "Salmen". Vor allem zwei Männer sind es, deretwegen die Gäste kommen: Friedrich Hecker und Gustav von Struve. Sie verabschieden das erste liberaldemokratische und soziale Programm einer deutschen Opposition, die "13 Forderungen des Volkes". Diesem Ereignis ist nationale Aufmerksamkeit sicher: fast alle wichtigen Zeitungen in deutschen Ländern berichten darüber.

 

Offenburg, 19. März 1848

 

Etwa 20.000 Menschen verwandeln den Marktplatz in ein freudiges Forum. "Eine wahrhaft patriotische Begeisterung belebt die Stadt, die Straßen sind mit Menschen dicht gefüllt, sie reichen sich die Hände und sind mit Freude erfüllt..." Die Teilnehmer drängen auf die Forderungen der Revolution und gipfeln ihre Forderungen in einem Flugblatt, das die Runde macht: "34 Fürsten oder eine Republik?" Darin steht " ... Die Last der Abgaben erdrückt das Volk; ein gedrücktes Volk aber ist nie frei! Und wenn seine Führer glauben, das Volk sei zufrieden mit den schönen Reden, welche sie seit Jahren gehalten, so wird es sich bald zeigen, daß sie sich irren und daß das Volk sich von den bisherigen Führern trennt und auf eigene Faust handelt!"

 

Die örtlichen Gesang-, Turn- und Lesevereine bilden das organisatorische Gerüst der Regierungsgegner; aus ihnen erwächst im Jahr darauf die Basis für den Volksaufstand. Zum landesweiten Obmann der Vereine wählt die Versammlung Friedrich Hecker.

 

Offenburg 12./13. Mai 1849

 

"Wer am Morgen des 12. Mai auf der Eisenbahn von Heidelberg oder Karlsruhe landaufwärts fuhr, der konnte, auch ohne eingeweiht zu sein in die Pläne der Volksvereine, leicht voraussagen, daß in Baden bald die Revolution mit klingendem Spiel ihren Einzug halten werde. Sie lag förmlich in der Luft: in den Gemüthern zuckte jene fieberische Spannung, jenes Gefühl, wie es nur am Tage bedeutender Ereignisse hervortritt; man sprach zueinander ohne sich zu kennen, man ahnte etwas und staunte über nichts mehr."

 

So schildert Josef Viktor Scheffel seine Fahrt nach Offenburg zur weitaus größten Versammlung der Badischen Revolution. Dieses Mal treffen sich zwischen 35.000 und 40.000 Anhänger der Republik in der Stadt. Sie fordern, dass das Parlament die "gesamte Rechts- und Machtvollkommenheit" erhalten und von "sämtlichen" Staatsbürgern gewählt werden soll.

 

Der Samstagabend verläuft in gewohnter Tradition festlich und friedlich: "So brachten die meisten der schon damals in Offenburg Anwesenden den Abend nach gut süddeutscher Sitte biertrinkend zu". Erst der Sonntag zeigt dann zunehmend radikalere Züge. Eine Vielzahl von Gewehren und Sensen beherrscht nun die Versammlung gemeinsam mit einem Meer roter Fahnen und Binden, von Hecker-Bildern und Jakobinermützen.

 

Diese dritte Offenburger Versammlung bildet zusammen mit der Rastatter Soldatenrebellion den Anlass für die Flucht des Großherzogs. Die Revolutionäre ziehen von Offenburg nach Rastatt und Karlsruhe und übernehmen dort die Regierung. Die "provisorische Revolutionsregierung" bleibt nur kurze Zeit an der Macht. Im Juli 1849 beenden die Truppen des Deutschen Bundes den "Traum von der Freiheit" mit militärischer Gewalt.