Rundgang zu den Stätten der Badischen Revolution II ...

 Quelle:  Stadt Offenburg
 

Bei diesem Rundgang lernen Sie einige Orte und Personen kennen, die in Offenburg direkt oder indirekt mit der „Badischen Revolution 1847 - 49“ zusammenhängen.

 

 

RATHAUS/Offenburger Bürgermeister (19)

 

Bürgermeister Gustav Rée war der führende Kopf der Offenburger Demokraten. In seine Amtszeit (1845 - 1849) fielen die Ereignisse, die Offenburg zum einzigen Mal in das Licht der großen Politik rückten. Am 18. Mai 1848 wird Rée zum Abgeordneten des Bezirks Offenburg in die Deutsche Nationalversammlung (Paulskirche Frankfurt) gewählt. Er legte aber bereits am 6. August 1848 sein Amt nieder, um sich ganz seiner Aufgabe als Bürgermeister von Offenburg zu widmen.

Am 1. Juli 1849 erfolgte der Einmarsch der preußischen Truppen in Offenburg.

Am 6. Juli 1849 erklärte Rée seinen Rücktritt. Er wurde gerichtlich wegen Hochverrats verfolgt und erst am 18. Juli 1851 für „klagfrei“ erklärt. Rée starb 1869.

Als Nachfolger wurde vom damaligen Oberamtmann von Teuffel am 4. August 1849 August Wiedemer bestimmt und am 6. November 1849 gewählt. Er war zufällig der „dienstälteste“ Stadtrat in Offenburg.

Bei der Versammlung von 1848 hielten die führenden Köpfe der badischen Opposition vom Balkon des Rathauses Reden. Einer von ihnen war Friedrich Hecker. Die Menge feierte ihn stürmisch.

 

KÖNIGSHOF (südlich des Rathauses) (21)

 

Der Königshof, vom Vorarlberger Baumeister Michael Ludwig Rohrer entworfen, war Verwaltungsgebäude der Landvogtei Ortenau (Bauzeit 1714 bis 1717). Das Portal entstand erst 1756 bis 1758 nach einem Entwurf von Franz Ignaz Krohmer.

Es beherbergte anschließend die Verwaltung des Großherzogtums Baden.

Der Oberamtmann und seine Untergebenen brauchten bei den Versammlungen 1848 und 1849 nur noch die Fenster zu öffnen, um mitten im Geschehen zu sein.

Hier amtierte auch Oberamtmann von Teuffel, der nach der Beendigung der Revolution 1849 den „dienstältesten“ Stadtrat August Wiedemer zum Bürgermeister ernannte. Wiedemer galt als einer der größten Denunzianten nach der Revolution. Viele der niederen Ränge des Oberamtes wurden jetzt versetzt oder sogar angeklagt, da sie direkt oder indirekt an der Revolution beteiligt waren.

Der Königshof war am 15. April 1849 Sitz des Landesausschusses, dessen Zivilkommissar Franz Volk hieß. Am 27. Mai 1843 wurde Karl Heinrich Schaible sein Nachfolger.

 

SALZHAUS (gegenüber dem Rathaus)

 

Hier wohnte Karl Heinrich Schaible; er lebte von 1824 bis 1899. Schaible war Mitbegründer des Heidelberger Turnvereins, Gründungsmitglied des Turnvereins von 1846 Offenburg e.V. und Preisträger auf dem Deutschen Turnfest 1846 in Heilbronn.

1847 wurde er auf dem Weg von Heidelberg nach Offenburg wegen Verbreitung „aufrührerischer Schriften“ in Rastatt verhaftet und verbrachte neun Monate in schwerer Haft. Auch 1848 und 1849 gehörte er zu den führenden Revolutionären. Im Oktober 1849 wurde er des Hochverrats angeklagt; Schaible war aber schon nach Frankreich geflohen. Dort setzte er sein bereits begonnenes Studium der Medizin fort. Da er keine Zulassung zum Examen erhielt, verließ er Frankreich und wandte sich an die Universität in Basel. 1853 wurde er Doktor der Medizin und Chirurgie an der Basler Universität. Danach bekam er ein Angebot des französischen Ministeriums für Auswärtige Angelegenheiten, die Deutsche Presse zu überwachen. Er lehnte ab und erhielt daraufhin den Bescheid, dass er nach England auszuwandern habe. Dort unterrichtete er als Lehrer, später als Professor an der königlichen Militärakademie in Woolwich und Examinator an der Universität London.

1882 kehrte er nach Deutschland zurück - erst nach Heidelberg (1883), dann nach Freiburg (1892) und 1894 nach Offenburg.

Das 1985 eingeweihte Stadion des Turnvereins von 1846 Offenburg e.V. trägt seinen Namen.

 

EINHORN-APOTHEKE (nördlich des Rathauses) (13)

 

Apotheker Eduard Rehmann stammte aus Mühlhausen/Engen, Amt Blumenfeld, und kam 1840 nach Offenburg. Er übernahm die Einhorn-Apotheke von Joseph Förster. Am 1. Februar 1843 erhielt er das Bürgerrecht, zusammen mit seiner Frau und zwei Kindern. Ab 22. Februar 1849 gehörte er zum Vorstand des Revolutionären Landesausschusses und der konstitutionellen Versammlung. Am 15. Mai 1849 wurde er Zivilkommissär des Mittelrheinkreises. Die revolutionäre Regierung schickte ihn im Mai 1849 in die Schweiz, um Waffen für die revolutionären Truppen zu besorgen.

Nach dem Ende der Revolution floh er in die Schweiz und wurde am 23. März 1850 in Abwesenheit wegen Hochverrats vom Hofgericht Bruchsal zu neun Jahren Zuchthaus verurteilt. Er starb laut einer Zeitungsnotiz am 10. Juni 1856 in München. Sein Sohn Emil wanderte nach Amerika aus.

Rehmanns Frau Nannette, geb. Häusler, gehörte auch auf die Seite der Revolutionäre.

Sie unterzeichnete mit Amalie Hofer den Aufruf „An die Frauen und Mädchen in Offenburg“. Auch sie wurde nach Ende der Revolution angeklagt. Da Vermögen und Besitz ihres Mannes eingezogen worden waren, klagte sie nach Niederschlagung ihrer Anklage erfolgreich auf Herausgabe ihrer Mitgift.

Sie zog daraufhin mit ihren Kindern zu ihrem Gatten in die Schweiz.

 

 Quelle:  Stadt Offenburg