Rundgang zu den Stätten der Badischen Revolution III ...

 Quelle:  Stadt Offenburg

Gasthaus "FORTUNA" (heute dm-Markt, schräg gegenüber der Einhorn-Apotheke) (15)

Der Fortuna-Wirt Georg Heinrich Pfähler gehörte als Stadtrat zur politischen Gegenseite, den Konservativen. Er war evangelisch und einer der ersten evangelischen Kirchenältesten in Offenburg.

Für einige der Offenburger Vereine war die "Fortuna" ein beliebtes Vereinslokal. Hier traf man sich, um über Politik zu reden. Die Offenburger Stammtische waren berüchtigt. Da das Haus auch Fremdenzimmer hatte, trafen hier oft neue Nachrichten und Gerüchte durch die Gäste ein, die hier übernachteten.

In der "Fortuna" befand sich vom 25. Juni bis 1. Juli 1849 das Hauptquartier des Oberbefehlshabers der revolutionären Truppen, General Louis Mieroslawski. Als preußische Truppen vor Offenburg lagen, flüchtete der Revolutionsgeneral mit 1200 Gulden im Gepäck nach Frankreich.

ST. ANDREAS-HOSPITAL (1)

Das St. Andreas-Hospital wurde erstmals um 1300 erwähnt. Seine Aufgaben lagen in der Armen-, Kranken- und Altenversorgung. Um 1500 entstand das St. Andreas-Weingut aus zwei Rebhöfen. Nach dem Wiederaufbau um 1700 diente es im 18. und 19. Jahrhundert fast nur noch als Altersheim. Es besaß aber eine Suppenküche und einen Backofen für die Bevölkerung. 1888 übernahm der Offenburger Gemeinderat die Stiftungsverwaltung. Juristisch hörte das Hospital 1943 auf zu existieren.

Hungersnöte 1816/17 und 1846/47

In Baden verließen seit der Mitte des 18. Jahrhunderts viele ihre Heimat. Zwei Hungersnöte sorgten, verbunden mit einem hohen Bevölkerungszuwachs, für mehrere Auswanderungswellen und große soziale Probleme. Bevölkerungsanstieg, Industriealisierung und Bauernbefreiung verursachten eine starke Massenverarmung (Pauperismus).

Im Spital wurde bei der zweiten Hungersnot 1846/47 eine Suppenanstalt eingerichtet, die täglich eine warme Mahlzeit ausgab.

Am 1. Oktober 1846 traten die Bäcker in den Streik und buken kein Brot mehr. Sie forderten einen höheren Brotpreis, nachdem die Getreidepreise auf dem Markt stark angestiegen waren.

Den Brotpreis legte das Oberamt fest. Zwischen den Bäckern und Bürgermeister Rée entstand ein heftiger Streit. Gustav Rée blieb hart und verbot den Bäckern ab dem 1. Oktober 1846 den Brotverkauf. Er bat das Oberamt darum, ihm zu helfen, aus den Bäckereien der Umgebung genügend Ersatz zu beschaffen. Gleichzeitig ordnete er die Inbetriebnahme zweier Öfen im Andreasspital auf Kosten der Gemeinde an. Zur Sicherung dieser öffentlichen Bäckerei beschloss der Gemeinderat sogar, amerikanisches Mehl anzukaufen. Ein letzter Versuch, den Streik abzubiegen, scheiterte an der Weigerung des Zunftmeisters Georg Burr, den Streikbeschluss zurückzunehmen.

Nur Anton Braun und Peregrin Holzer buken trotz des Streiks. Das versprochene Brot von außerhalb traf nicht oder nur teilweise ein. Rée hatte erfahren, daß Burr die Bäcker von außerhalb auch zum Streik aufgerufen hatte. Außerdem brachte ihm Polizeidiener Buss die Nachricht, daß auch Holzer nicht mehr backen wolle, weil er Angst habe, da Burr und zwei andere Bäcker ihm gedroht hätten.

Zudem buken einige Bäcker doch Brot, um es heimlich zu verkaufen. Rée ließ daraufhin an allen Backöfen Siegel anbringen.

Am 6. Oktober 1846 ging Burr zum Oberamt und gestand die Niederlage ein.

Die Öfen im Andreasspital blieben aber in Betrieb. Erstens, um unabhängig von den Bäckern zu sein, und zweitens, um den Armen der Stadt besser helfen zu können. Bürgermeister Gustav Rée hatte den Sieg davongetragen. Dies stärkte sein Ansehen.

GYMNASIUM (heute Grimmelshausen-Gymnasium) (4)

Das ehemalige Kapuzinerkloster (1641-47 erbaut) hat den Stadtbrand von 1689 als einziges Gebäude überstanden. Hier wurde - nach Auflösung der Klöster zu Beginn des 18. Jahrhunderts - ein Gymnasium eingerichtet, welches sich vorher im Franziskanerkloster befand. Die Klosterkirche stand dem Gymnasium zur Verfügung und wurde von 1847 bis 1864 von der jungen evangelischen Gemeinde genutzt. Seit 1874 ist sie die Kirche der altkatholischen Gemeinde.

Hier gingen Franz Volk und Karl Heinrich Schaible ins Gymnasium. Johann Gebhard Gagg war damals Direktor. Er trug in den Tagen der Revolution einen Bart und war somit als Anhänger auch äußerlich kenntlich. Als die Preußen 1849 einmarschierten, rasierte er den Bart in aller Eile ab. Dies fiel jedoch auf und er wurde als Sympathisant erkannt und inhaftiert.

Einer der Lehrer war der Geistliche Professor Kuhn, die führende Figur der katholischen Reformkräfte in Offenburg. Er gründete mit Gustav Rée die Lesegesellschaft als Gegenpol zum eher konservativen Leseverein. Bei den Sitzungen der Lesegesellschaft wurden liberale und bisweilen radikale Reden gehalten.


 Quelle:  Stadt Offenburg