Rundgang zu den Stätten der Badischen Revolution IV

 Quelle:  Stadt Offenburg

GEFÄNGNIS (Grabenallee)/Franz Volk

 

Das Gefängnis in der Grabenallee wurde in mehreren Bauabschnitten errichtet. Der erste Bau, der heutige Bau II, entstand 1847. Vorher wurden die Straffälligen in den Turm gesperrt, meist in den Kittelturm. Hier wurde auch Franz Volk inhaftiert, einer der wohl bekanntesten Revolutionäre Offenburgs. Er saß 1848 wegen Hochverrats ein.

Seine große Liebe - "Franny", eine junge Adlige - ging angeblich vor dem Kerker auf und ab, beseelt von dem Wunsch, ihm zu helfen. Einige der Liebesbriefe, die er ihr schrieb, sind erhalten. (Lesen Sie dazu auch den Comic zur Revolution.)

Die Verbindung von Franz und Franziska wurde seitens ihrer Familie nicht geduldet. Sie wurde mit einem anderen verlobt und starb 1850, man sagt, an gebrochenem Herzen.

Franz Volk wurde am 18. April 1823 in Offenburg geboren und starb am 1. Juni 1890. Er studierte Rechtswissenschaften und wurde auf Schaibles Vorschlag zum Vorsitzenden des Volksvereins gewählt. Nach der missglückten Revolution flüchtete er in die Schweiz, wo er in Zürich Medizin studierte.

Volk wurde des Staatsbürgerrechts für verlustig erklärt und vom Hofgericht in Bruchsal zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt - ersatzweise zu fünf Jahren und vier Monaten Einzelhaft. Er erhielt jedoch vor der allgemeinen Amnestie die Erlaubnis zur straffreien Rückkehr in die Heimat und kehrte 1859 zurück.

In Heidelberg beendete er sein Medizinstudium und ließ sich in Offenburg als Arzt nieder. 1875 wurde er zum Bürgermeister gewählt. "Papa Volk" wurde 1881 und 1887 wiedergewählt.

Er half jedem, ob arm oder reich, und nahm keine Rücksicht auf seine eigene Gesundheit, obwohl er ein Herz- und Lungenleiden hatte. Franz Volk schrieb unter anderem das Buch "Hexen in der Landvogtei Ortenau und Reichsstadt Offenburg" und war außerdem Mitbegründer der "Alemannia", einer Gymnasiastenvereinigung.

 

Zudem saß 1849 hier der junge Josef Lederle im Gefängnis, auch ein Anhänger der Revolution, genau wie seine Brüder. Er konnte ausbrechen und ins Elsass fliehen. Von dort führte ihn sein Weg nach Staten Island im Staate New York. Dort baute er die Leuchttürme im New Yorker Hafen sowie die Hafendocks.

 

 

Gasthaus "SALMEN" (26)

1769 erbaut, 1806 umgebaut, Schildrecht 1822

 

Der "Salmen" - ein großes Gebäude mit mächtigem Walmdach, aus Bruchstein und Quadern ausgeführt. Im Erdgeschoss gelangt man durch eine breite Tordurchfahrt in ein zweischiffiges Stall- oder Remisengebäude, das durch je sechs mächtige, hölzerne Balustersäulen über Sandsteinsockeln gestützt wird. Über dem Erdgeschoss befindet sich der ehemalige Betsaal der jüdischen Gemeinde, in dem Reste einer Galerieverkleidung von Anfang des 20. Jahrhunderts erhalten geblieben sind.

Das Gebäude besitzt einen mächtigen, ungeteilten Dachboden mit der eindrucksvollen Konstruktion eines hängenden Dachstuhles. Die zur Bauerngasse freiliegende Seite des Gebäudes ist in drei Achsen zweigeschossig und in zwei Achsen dreigeschossig gegliedert. Die Fensterrahmung besteht aus Sandstein.

 

Der Betsaal war früher auch der Saal der Gastwirtschaft "Zum Salmen".

Einer der Wirte war Wilhelm Göring. Er stammte aus Appenweier und heiratete am 12. März 1825 Elisabeth Brandstetter. Am 19. Oktober 1838 starb er. Seine Frau heiratete erneut - die drei Kinder brauchten einen Vater und die Wirtschaft einen Wirt. Georg Trautvetter, im eigentlichen Beruf Notar war, heiratete Elisabeth am 25. April 1844. Sie bekamen noch eine Tochter, die 1845 geboren wurde. Trautvetter starb 1867.

In seine Zeit als Wirt fielen die Ereignisse, die uns hierher geführt haben.

Am 12. September 1847 trafen sich in Offenburg im "Salmen" die "Entschiedenen Freunde der Verfassung". Ein aus Mannheimer, Heidelberger und Offenburger Bürgern gebildetes Organisationskomitee hatte dafür nicht nur persönliche Einladungen an bekannte Oppositionelle im ganzen Land verschickt, sondern auch noch zusätzlich mit Anzeigen in der Presse und Flugblättern kräftig geworben.

 

Offenburg lag damals genau in der Mitte des Großherzogtums und war auch verkehrsmäßig äußerst günstig zu erreichen. Die zahlreichen Teilnehmer aus Mannheim und Heidelberg waren dank der drei Jahre zuvor eröffneten Eisenbahn am Sonntagmorgen einfach nur in den Zug gestiegen und nach rund dreieinhalb Stunden Fahrt in Offenburg angekommen.

Außerdem gehörte die Stadt seit zwei Jahren zum oppositionellen Lager, dank ihres Bürgermeisters Gustav Rée. Rée selbst hatte mit Struve die Veranstaltung in Offenburg vereinbart.

Viele hundert Anhänger und Neugierige drängten sich am Sonntagnachmittag in den Saal des "Salmen" und auf die Galerie. Unter ihnen waren auch Frauen.

Die Menge blieb trotz der hitzigen Reden ruhig. Höhepunkt war die Rede des Mannheimer Anwalts Friedrich Hecker. Er verlas die "13 Forderungen des Volkes".

 

Diese Nachrichten verbreiteten sich in Flugblättern und Zeitungsartikeln in ganz Deutschland, soweit die Zensur nicht griff, denn es gab keine Pressefreiheit.

 

Gegen Hecker und Struve gab es eine Untersuchung wegen "Aufreizung zu einem gewaltsamen Umsturz".

 

Die Stadt Offenburg hat in den Jahren 1947 und 1997 den 100. beziehungsweise 150. Jahrestag der Versammlung der "Entschiedenen Freunde der Verfassung" zum Anlass genommen, dieses Ereignis in angemessener Form zu würdigen.

 

Vom 12. bis 14. September 1997 feierten über 130.000 Menschen beim "Offenburger Freiheitsfest" die Formulierung der "13 Forderungen", die Einzug in unser Grundgesetz gefunden haben.