Salmengespräch 2013

Do. | 12.09.2013 | 20 Uhr | Salmen
 
Im Mittelpunkt des Salmengesprächs 2013 stand die achte Forderung des Volkes in Baden: „WIR VERLANGEN GEWISSENS- UND LEHRFREIHEIT!“
 
Am Freiheitstag erinnerte die Stadt Offenburg in diesem Jahr mit dem Salmengespräch an die Badische Revolution und an die Volksversammlung vom 12. September 1847 im damaligen Gasthaus Salmen. Die dort proklamierten 13 Forderungen des Volkes waren der erste demokratische Verfassungsentwurf in Deutschland. Wie in jedem Jahr wird auch dieses Mal eine dieser 13 Forderungen in den Fokus gerückt. Es handelt sich um den Artikel 3: „Wir verlangen Gewissens- und Lehrfreiheit. Die Beziehungen des Menschen zu seinem Gotte gehören seinem innersten Wesen an, und keine äußere Gewalt darf sich anmaßen, sie nach ihrem Gutdünken zu bestimmen. Jedes Glaubensbekenntniß hat daher Anspruch auf gleiche Berechtigung im Staate. Keine Gewalt dränge sich mehr zwischen Lehrer und Lernende. Den Unterricht scheide keine Confession.“
 
Beim Salmengespräch wurde das Thema „Religionsfreiheit“ von französischer wie von deutscher Seite betrachtet. Die Unterschiede in der Ausübung von Religion und Laizismus sind in Frankreich und Deutschland sehr vielfältig und betreffen sowohl das Kirchenrecht, das Verhältnis von Kirche und Staat, als auch Kirchenkonflikte, das Gewicht der Konfessionen, die öffentlichen Interventionen der Kirchen, das Verhältnis von Kirchen und Bildung oder das Gewicht der jüdischen und islamischen Kirche.
 
Bis heute lässt sich der Ausdruck laicité nur ungenügend in das Deutsche übersetzen. Umgekehrt ist die enge Zusammenarbeit zwischen Staat und Kirche für Franzosen schwer durchschaubar. Die nähere Auseinandersetzung mit diesem Thema ist für den Kulturaustausch und das gegenseitige Verständnis im deutsch-französischen Eurodistrikt Strasbourg-Ortenau von Bedeutung. Für aktuelle Diskussionen in beiden Ländern, etwa um Burka- und Kopftuchverbote, dem Angebot von Halal-Fleisch in französischen Schulkantinen, Beschneidungen oder der Befreiung von der Schulpflicht aus religiösen Gründen brachte die Betrachtung aus unterschiedlicher Länderperspektive einige neue Erkenntnisse.
 
Aus französischer Sicht sprach Dr. Alain Boyer, aus deutscher Prof. Dr. Gerhard Robbers. Die Moderation des Abends lag in den Händen von Prof. Dr. Jörg Winter.