Sprachunterricht

Bei den Deutschkursen in der Unterkunft in der Nordweststadt werden auch Traditionen und hiesige kulturelle Werte vermittelt. Anita Held, die Kurse für Fortgeschrittene, mittlere Kurse und Analphabetisierungskurse gibt, brachte den Teilnehmerinnen die Tradition des Nikolaus  näher.

 


 

Offenburg hilft ehrenamtlich: Mit Schwester Dorothea und Schwester Augustina erteilen zwei Augustiner Chorfrauen weiblichen Flüchtlingen Deutschunterricht. Bilanz der Ordensfrauen: „Es macht große Freude.“
Schwester Dorothea lacht ihr herz­erfrischendes Lachen: „Am Anfang waren wir Doro und Tina.“ Um es den etwas anderen Schülerinnen nicht allzu schwer zu machen, haben sich die Nonnen mit den Kurzformen ihrer Namen vorgestellt. Und sich fürs „du“ entschieden. Inzwischen – nach über einem halben Jahr – sprechen die jungen Frauen ihre ehrenamtlichen Lehrerinnen mit „Schwester Dorothea“ und „Schwester Augustina“ an. Auch das „Sie“ hat Einzug gehalten. Schließlich komme es gar nicht gut an, wenn bei Behördengängen oder beim Arzt die Du-Form gewählt wird. „Wir wollen schließlich auf den Alltag vorbereiten“, so Schwester Dorothea. Außerdem haben sie erwachsene Frauen vor sich. Die kommen aus Syrien, dem Kosovo, aus Albanien, Makedonien und Nordkorea. Am Anfang waren auch Afrikanerinnen dabei, doch sie gehen lieber am Nachmittag zum Unterricht.
Als Michael Loritz, beim Landratsamt für die Flüchtlinge zuständig, beim „Dialog im Kloster“  Anfang dieses Jahres von den neuen Herausforderungen gesprochen hatte, schritten die Ordensfrauen zur Tat. „Unterrichten, das ist das, was wir beitragen können“, waren sich die Schwestern einig. Dass sie ihr Angebot gezielt an Frauen richteten, hat mit den Ordensgrundsätzen zu tun. „Wir wollen Frauen fördern“, erklären sie.
Während Schwester Augustina bis 1998 Vorbereitungskurse für Spätaussiedlerinnen erteilte, war Schwester Dorothea bis 2013 stellvertretende Schulleiterin des Klostergymnasiums Unserer lieben Frau. Der Unterschied zu früher? „Es ist viel lockerer.“ Es gebe keinen Notendruck und keine Konferenzen. Die Fluktution sei groß, doch die Begegnung mit den Frauen insgesamt sehr positiv. „Wir haben keine Angst vor Asylanten.“ Im Gegenteil: Gerade in Einzelgesprächen außerhalb des eigentlichen Unterrichts „laufen viele sozialen Dinge“. So helfen die Ordensfrauen zum Beispiel dabei, dass sich die Frauen im Bürokratie­dschungel einigermaßen zurechtfinden. Ihre schwarze Ordenstracht wird selbstverständlich akzeptiert: „Das ist gar kein Thema.“ Als die Musliminnen ihr Zuckerfest feierten, erhielten die Nonnen ein paar Stücke selbstgebackenen Kuchen. Im Gegenzug brachten die Ordensschwestern Schokolade mit – und veranschaulichten an dem Naschwerk auch gleich, wie das mit dem Teilen geht.