Übersetzerpreis 2010

Bereits zum dritten Mal verlieh die Stadt Offenburg am 25. April 2010 gemeinsam mit der Hubert Burda Stiftung während einer Feierstunde im historischen Erinnerungs- und Veranstaltungsforum „Salmen“ in Offenburg den hoch dotierten internationalen Übersetzerpreis an zwei herausragende Übersetzer der Literatursparten Prosa und Lyrik, die mit einem außerordentlichen Sprachgefühl und Kulturverständnis literarische Werke eines europäischen Landes in die deutsche Sprache übersetzt haben. Im Mittelpunkt der diesjährigen Preisverleihung stand die Literatursprache Dänisch.

 

Den Hauptpreis des Europäischen Übersetzerpreises Offenburg 2010 in Höhe von 15.000 Euro erhielt der Übersetzer, Herausgeber und Kritiker dänischer, schwedischer und französischer Literatur Hanns Grössel für eine ausgesprochene Sensibilität seiner Übersetzungen dänischer Lyrik, voran der Werke von Inger Christensen, der 2009 verstorbenen bedeutendsten Lyrikerin Dänemarks. Sie galt immer wieder als Kandidatin für den  Literaturnobelpreis. Grössel wurde bereits 1976 von der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung für sein außer-gewöhnliches übersetzerisches Talent erstmals ausgezeichnet.

 

Der Förderpreis in Höhe von 5.000 Euro ging an Peter Urban-Halle, dessen umfassendes Know-how über Dänemarks gesellschafts- wie kulturpolitische Entwicklung sich auch in seinen Übersetzungen bedeutender Werke zeitgenössischer Dänischer Autoren, voran von Bestsellerautor Peter Høeg, widerspiegelt. Urban-Halle ist Mitglied des Literaturausschusses im Dänischen Kunstrat.

Persönlichkeiten aus Politik, Wissenschaft und Literatur haben den Europäischen Übersetzerpreis Offenburg in den vergangenen Jahren als Juroren oder Festredner begleitet: Peter Handke, Werner Spies, Gesine Schwan und Karl Dedecius. In diesem Jahr konnte Per Øhrgaard, dänischer Experte für vergleichende deutsche und dänische Literatur sowie für politische, kulturelle und ökonomische Beziehungen zu Deutschland als Festredner gewonnen werden.

 

Als Juror des Europäischen Übersetzerpreises Offenburg 2010 hielt die international renommierte Übersetzerpersönlichkeit Hinrich Schmidt-Henkel, Vorsitzender des Verbandes deutschsprachiger Übersetzer literarischer und wissenschaftlicher Werke (VdÜ) die Laudatio für den Hauptpreisträger Hanns Grössel. Schmidt-Henkel gilt als einer der Streiter für eine angemessene Honorierung von Literaturübersetzungen.

 

Als Gesandter des Dänischen Königshauses sprach der stellvertretende dänische Botschafter in Berlin, Kim Vinthen, das Grußwort zur Preisverleihung.

 

Auch hiermit setzt der Europäische Übersetzerpreis Offenburg ein wichtiges Signal: „Die Entscheidung des Bundesgerichtshofes im vergangenen Oktober hat eindeutig gezeigt, dass die Kunst des Übersetzens, voran das von Literatur, keine brotlose sein darf“, so Offenburgs Oberbürgermeisterin Edith Schreiner. „Mit dem Europäischen Übersetzerpreis würdigt Offenburg die nicht zu unterschätzende Kulturleistung von Literaturübersetzern. Übersetzer gehören zu den Brückenbauern Europas. Sie sind auf der einen Seite Grenzgänger, auf der anderen Seite Vermittler zwischen den vielfältigen Kulturen Europas. Sie ermöglichen uns eine aktive Teilnahme an den Eigenarten und Besonderheiten unserer europäischen Nachbarn. Durch ihre Arbeit wird ein allmähliches Zusammenwachsen Europas erst möglich.“