Übersetzerpreis 2016

Der Europäischer Übersetzerpreis Offenburg ging an den herausragenden Literaturübersetzer

Andreas Ecke, der erstmals verliehene "Entdeckerpresi" an Jacqueline Crevoisier

 

Im Mittelpunkt stand die Literatursprache Niederländisch.

 

Schirmherrin war Daniela Schadt, Lebensgefährtin von Bundespräsident Joachim Gauck.

 

Sprache als grundlegendes Mittel der Kommunikation ist das wichtigste Instrument der zwischenmenschlichen Beziehungen, der Verständigung wie auch des kulturellen Verständnisses. Literatur und Literaturübersetzung kommt hierbei eine besondere Rolle im Grenzen überschreitenden, vermittelnden „Kulturtransport“ zu. Mit dem Europäischen Übersetzerpreis Offenburg rückt die Stadt Offenburg gemeinsam mit der Hubert-Burda-Stiftung die herausragende Kulturleistung von Literaturübersetzungen seit zehn Jahren in den Fokus.

 

Ziel des seit 2006 alle zwei Jahre verliehenen internationalen Übersetzerpreises ist, das Kennenlernen der „anderen“ Kultur zu fördern, Barrieren eines „fremden“ Kulturverständnisses abzubauen und zum interkulturellen Austausch zu ermutigen. Die Literatur wirkt dabei als wichtiges Vehikel, die Literaturübersetzung als unabdingbarer Transformator. Beide dienen der Auseinandersetzung mit der eigenen Gegenwart und der gesellschaftlichen Selbstvergewisserung.

 

Der Europäische Übersetzerpreis Offenburg zählt nicht nur bei den Literaturübersetzern selbst, sondern auch bei bedeutenden Autoren sowie bei den Übersetzerverbänden und Verlagen zu den wichtigsten Übersetzerpreisen Europas. Seine hochkarätig besetzte Findungskommission steht in Fachkreisen für ein sensibles Gespür, wenn es um außergewöhnliche Literatur-Übersetzerleistungen im europäischen Sprachraum geht. Für den Europäischen Übersetzerpreis Offenburg 2016 entschied sich die Kommission, die Literatursprache Niederländisch in den Mittelpunkt zu stellen. Sie benannte Christoph Buchwald, renommierter Herausgeber, Verleger und selbst Übersetzer aus dem Niederländischen, als Juror und Laudator des Hauptpreisträgers.

Seine Entscheidung für die Vergabe des Hauptpreises in Höhe von 15.000 Euro fiel auf Andreas Ecke (*1957, Wuppertal). In seiner Begründung heißt es: „Ecke ist ein sehr einfühlsamer und vielseitiger Übersetzer, der, wie der Organist sagen würde, über sehr verschiedene Register verfügt.“ Neben den in Deutschland bekannten niederländischen Autoren wie Cees Nooteboom, Otto de Kat und Geert Mak übersetzt Andreas Ecke auch Erzählungen, Lyrik, Theatertexte und Sachbücher. Im Jahr 2015 erschien die viel beachtete deutsche Übersetzung der „Castellio-Biographie“ unter dem Titel „Die Freiheit des Denkens:Sebastian Castellio - Wegbereiter der Toleranz der niederländischen Kirchenhistorikerin Mirjam van Veen. Andreas Ecke erhielt im Jahr 2010 für die Übersetzung von Gerbrand Bakkers Roman „Oben ist es still“ den Else-Otten-Preis des Nederlands Letterenfonds.

 

In den vergangenen Jahren standen Übersetzungen ausschließlich von literarischen Werken, Prosa und Lyrik, eines europäischen Landes in die deutsche Sprache im Vordergrund. Nun öffnet sich der Europäische Übersetzerpreis Offenburg mit der sechsten Preisverleihung einer außergewöhnlichen Übersetzer-Entdeckung, der Mischung von Literatur und Zeichenkunst. Erstmalig vergibt die Stadt Offenburg 2016 den „Entdeckerpreis“ für eine außergewöhnliche Übersetzung. Er geht an die in den Niederlanden lebende Schweizer Autorin Jacqueline Crevoisier (*1942, Zürich). Ihr ist mit der deutschen Übersetzung der berühmten „Ollie B. Bommel"-Geschichten des niederländischen Autors und Cartoonisten Marten Toonder (1912 – 2005) ihrerseits eine Entdeckung gelungen: Toonders Comics erlangten in den Niederlanden enorme Berühmtheit. Seine Bücher wurden im Laufe der Jahrzehnte millionenfach verkauft. Sie galten wegen ihrer funkelnd eigenwilligen Sprache voller Neuschöpfungen und Ironie als nicht übersetzbar. Jacqueline Crevoisier hat es dennoch gewagt und Toonder auf eigene Faust übersetzt - eine Meisterleistung!

Nachtrag: Im Sommer 2016 verstarb Jacqueline Crevoisier unerwartet. Offenburg bewahrt ihr ein ehrendes Andenken.

 

Pressebericht Offenburger TageblattPressebericht Badische Zeitung