Zeittafel

 Quelle:  Christoph Lötsch
Beim Freiheitsfest 2016 stellen Offenburger Bürgerinnen und Bürger die Verkündung der 13 Forderungen des badischen Volkes nach.

1787
Das Offenburger Ratsprotokoll erwähnt das Gasthaus als Straußwirtschaft, Poststation und Werbelokal für Soldaten.

 

1806
Anbau eines Festsaals über den Stallungen.

 

1822
Die Wirtschaft erhält den Namen "Zum Salmen". Nutzung als Festsaal durch die Bürgerschaft für Tanz, Schauspiel, Konzerte und Bälle sowie als Veranstaltungsort politischer Versammlungen.

 

1832
Zum ersten Mal wählt der männliche Teil der Offenburger Bürgerschaft den Bürgermeister. Die geheime und freie Wahl findet im Salmen statt.

 

1835
Der "närrische Maler" Carl Sandhaas aus Haslach malt sein Bild "Im Salmen", dessen Szene vermutlich im Saal spielt.

 

1847
Die "Entschiedenen Freunde der Verfassung" verabschieden im Salmensaal die 13 "Forderungen des Volkes in Baden". Sie finden als erstes Parteiprogramm in ganz Deutschland große Beachtung. Ziel der Veranstalter ist die Schaffung eines demokratischen und sozialen Rechtsstaats. 1848 und 1849 folgen zwei weitere wichtige Veranstaltungen der demokratischen Opposition. 1849 kommt es zum Sturz des badischen Großherzogs.

 

1857
In diesem Jahr dient der Saal auch als Fotostudio: mit Hilfe der Daguerrotypie können sich die Offenburger "mit Couleurs nach einem neuen Verfahren" ablichten lassen.

 

1863
Auf Initiative einiger Abgeordneter des badischen Landtags erlebt der Salmen eine überregional bedeutende, liberale Landesversammlung. Dort fordern die Teilnehmer unter anderem die Erweiterung des Wahlrechts und ein Gesetz zur Einführung der Zivilehe.

 

1871
Nach dem Ende des deutsch-französischen Krieges von 1870/71 ist der Salmen Schauplatz eines "Friedens-Dankfestes". Weitere patriotische Festakte folgen.

 

1875
Die jüdische Gemeinde erwirbt den Gebäudekomplex und richtet dort ihren Gebetssaal ein: Beginn der Nutzung als Synagoge. Es folgen Umgestaltungen durch die Gemeinde - zuletzt 1922 in Form von Restaurierungsarbeiten durch den Kunstmaler Augustin Kolb.

 

1933
Machtergreifung Adolf Hitlers. Beginn der nationalsozialistischen Verfolgung.

 

1938
Zerstörung und Plünderung der Synagoge während des Novemberpogroms, der sogenannten "Reichskristallnacht". Die Thorarollen werden geschändet.

 

1940
Die Stadt erwirbt das Gebäude und erwägt verschiedene Nutzungen (Turnhalle, Feuerwehrhaus, Lagerraum Museum), die aber allesamt wieder fallengelassen werden.

 

1949
In diesem Jahr erfolgt die Rückübertragung an den Oberrat der Israeliten in Baden. Da es keine jüdische Gemeinde mehr in Offenburg gibt, verkauft dieser das Gebäude weiter.

 

1955
Abbruch des Vorderhauses des Salmen und Errichtung eines neuen Geschäftshauses.

 

1978
Zum 40. Jahrestag der Novemberpogrome wird - unter großer Beteiligung der Offenburger Bevölkerung wie politischer und kirchlicher Vertreter/innen - eine Gedenktafel am Salmen enthüllt. Der Text beschreibt sowohl die demokratische als auch die jüdische Geschichte des Hauses.

 

1997
Beim Offenburger Freiheitsfest rückt der Salmen in den Blickpunkt der Öffentlichkeit: der Gemeinderat entschließt sich noch im gleichen Jahr, das Anwesen zu kaufen und es zu einer kulturellen Spielstätte umzubauen.

 

2002
Einstufung des Salmen als Kulturdenkmal von nationaler Bedeutung und Wiedereröffnung als Stätte bürgerlicher Kultur und Geselligkeit durch Bundespräsident Johannes Rau.